24 Stunden Betreuung
In vielen Fällen der 24 Stunden Betreuung zeigt sich in der Praxis, dass sehr viele alleinstehende Seniorinnen oder Senioren einen sehr hohen Unterstützungsbedarf zusätzlich zu den notwendigen Haushaltsleistungen haben. Diese existenziellen Betreuungsaktivitäten im Rahmen des täglichen Lebens bedeuten Sicherheit und Schutz, Mobilität und Erleichterung, Unterstützung und Kraft. Es kann davon ausgegangen werden, dass dieser hohe Bedarf an laufender Unterstützung ohne eine 24 Stunden Betreuung und Hilfe nur schwer oder gar nicht zu decken ist, da viele Pflegeleistungen häufig auch nachts abgefragt werden müssen (z.B. Toilettengänge, Positionsveränderungen im Bett, Aufstehen, Gehen). Gerade diese Nachtbereitschaft, die bei der 24 Stunden Betreuung in vielen Fällen unbedingt erforderlich und notwendig ist, lässt die Angehörigen oftmals verzweifeln, da sie allein nicht in der Lage sind, kräftemäßig diesen Tag-/Nacht-Rhythmus lüber einen längeren Zeitraum durchzustehen. Abwechselnd mit der zusätzlichen Hilfe einer Betreuerin in der 24 Stunden Betreuung für die Angehörigen zu sorgen fällt schon bedeutend leichter, als allein auf sich gestellt zu sein. Dann bleibt auch endlich wieder genügend Luft zum Atmen und Kräfte sammeln.
Insbesondere weisen also die großen Mobilitätsprobleme alter und kranker Menschen darauf hin, dass es bei der 24 Stunden Betreuung um die Abwehr von Gefährdungen geht, der eine helfende Person bei einem permanenten „Da-Sein" ausgesetzt ist. Psychisch und physisch gehen viele Menschen häufig bis an ihre Grenzen, um den geliebten Angehörigen zu versorgen. Außerdem korrespondiert die fehlende Mobilität mit dem eher geringen Bedarf hinsichtlich sozialer Kontakte, also auch zu Freunden und Bekannten, die eventuell in der Lage wären, über einen - wenn auch meist nur kurzen - Zeitraum innerhalb der 24 Stunden Betreuung mitzuhelfen.
In Anbetracht der Hochaltrigkeit vieler Patienten verdichtet sich hier in einem „typischen" Fall, der uns ständig begegnet, das Bild eines pflegebedürftigen Menschen, der in umfassender Weise eine 24 Stunden Betreuung mit entsprechenden Leistungen benötigt. Diese sind jedoch nicht immer planbar und terminierungsfähig (anders als z.B. das morgendliche Waschen).
Es spiegelt sich eine gesellschaftlich bedeutende Entwicklung wider: Die familiären Unterstützungsbemühungen können diese zeitintensiven Leistungen in der 24 Stunden Betreuung zuhause vielfach nicht mehr erbringen, die professionellen Dienste zum Teil noch nicht oder nicht kostengünstig genug. Die Stabilisierung der Situation verlagert sich so auf einen „Zwischenbereich" mit einem nicht vollständig abgrenzbaren Leistungsprofil. Deshalb ist es so unglaublich wichtig und - leider vom Gesetzgeber noch nicht richtig beachtet - absolut notwendig, aus finanzieller, aber auch sozialverantwortlicher Sicht eine 24 Stunden Betreuung durch osteuropäische Pflegekräfte ohne zu große Gesetzeshürden zu ermöglichen - Pflegekräfte, die bereit sind, für eine Zeit lang in einem fremden Haushalt zu leben und zu arbeiten, sich einzubringen und aufopferungsvoll zu helfen. Somit kann dieser „Zwischenbereich“ ausgefüllt und sinnvoll für alle Beteiligten genutzt werden, ohne eine Überinterpretation und zweifelhafte Vermutungen an den Tag zu legen. Die vertraglichen Absprachen zwischen dem Arbeitgeber der Pflegekraft in der 24 Stunden Betreuung, einer osteuropäischen Firma und dem Leistungsnehmer - meistens die zu pflegende Person oder ihre Angehörigen - basieren auf den gesetzlichen Vorschriften für den jeweiligen Arbeitsschutz. Die Weisungsbefugnis hat alleinig der Arbeitgeber, der dafür sorgt, dass Vorschriften u. a. in Bezug auf die Arbeitszeiten in der 24 Stunden Betreuung berücksichtigt werden.
Bei dem täglichen Umgang mit dieser moralischen Pflicht zur 24 Stunden Betreuung stellt man sehr schnell fest, dass es bei immer mehr Einzelschicksalen um ein Dilemma unserer Gesellschaft geht, um eine für viele untragbare Situation, um ein immenses Loch in der Versorgung, welches mit den Jahren immer größer wird und welches mit Sicherheit zu heute noch ungeahnt großen, gesellschaftlichen Problemen führen kann. Nicht nur die Kluft zwischen Arm und Reich wird immer größer, sondern vor allem die Welt zwischen Jung und Alt, besonders zwischen "gesund" und "pflegebedürftig-krank". Eine Herausforderung, die mit den bekannten bürokratischen und teilweise praxisfernen gesetzlichen Dschungelpfaden unserer Gesellschaft nicht leicht zu überwinden ist.
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