Wenn Menschen über 65 Jahre depressiv sind, wird dies als Altersdepression bezeichnet. Neben der Demenz gehört die Depression im Alter zur zweithäufigsten psychischen Erkrankung. Depression meint generell eine psychische Störung, welche mit Unglücklich sein, negativen Empfindungen, Trostlosigkeit und geringem Elan einhergeht. Die Gefühlslage eines depressiven Menschen ist ins Ungleichgewicht geraten. Im Gegensatz zu Depressionen in jüngeren Jahren beginnt die Depression bei älteren Menschen meist mit körperlichen Problemen, oder äußert sich in Form psychosomatischer Beschwerden. Dabei können sich zunächst ganz verschiedene Symptome bemerkbar machen wie Magenschmerzen, Kopfweh, Rückenleiden oder Schwindel. Die eigentliche Depression wird erst nach und nach deutlich.

Die Gefahr an einer Depression zu erkranken, erhöht sich mit dem Alter. Im Alter ab 65 Jahren sind im Durchschnitt fast ein Fünftel der Menschen – meist Frauen – von einer Depression betroffen, in vielen Fällen ohne eine Diagnose oder eine Behandlung. Insbesondere bei Menschen, welche schon in der Jugend unter Depressionen litten, besteht das Risiko, das die Erkrankung im Alter erneut auftritt.

Welche Ursachen gibt es?

Neben dem Risiko möglicher Vorerkrankungen, gibt es ganz verschiedene Gründe für eine Altersdepression. Für viele Senioren ist der Wechsel vom Berufsleben in den Ruhestand eine schwere Umstellung. Das Gefühl plötzlich nicht mehr so gebraucht zu werden wie zuvor und der Verlust des bisherigen, regelmäßigen Alltags bedeuten einen gravierenden Einschnitt, welcher durchaus negative Gefühle hervorrufen kann. Hinzu kommen mit zunehmendem Alter der mögliche Verlust von wichtigen Bezugspersonen wie Familienmitglieder und Freunde und zunehmende geistige und körperliche Einschränkungen, die das bisherige, bekannte Leben verändern.

Frühwarnsignale erkennen

In der Regel ist eine Depression nicht einfach zu diagnostizieren. Die entstehenden Symptome passen auf viele andere Krankheitsbilder. Doch gibt es Frühwarnsignale, die in ihrer Kombination auf das Vorliegen einer Depression hinweisen, dazu gehören u. a.:

• eine schwerwiegende körperliche Erkrankung
• genetische Veranlagung
• chronischer Stress
• Abhängigkeit von Drogen oder Alkohol
• Angstzustände
• Essstörungen

Ein erstes, besonders wichtiges Frühwarnsignal für das Vorliegen einer Depression bei einem älteren Menschen kann das Klagen über körperliche Beschwerden sein, für welche keine Ursachen gefunden werden. Häufig wird über ein Drücken auf der Brust geklagt, ohne dass der Arzt bei einer Untersuchung eine tatsächliche Krankheitsdiagnose feststellen kann.

Symptome und ihre Unterschiede zur Demenz

In Kombination mit den starken körperlichen Beschwerden können symptomatisch im Wesentlichen einhergehen:

kein Hungergefühl
• vollständiger Rückzug von der Familie
• Konzentrationsstörungen
• Angstzustände
• chronische Müdigkeit
• Schlafstörungen

Oft wird eine Depression bei älteren Menschen für Demenz gehalten. Die Symptome sind ähnlich, doch gibt es zwei Merkmale, durch welche eine Demenz von dem Vorliegen einer Depression erkannt werden kann:

• Bei Depression klagt der Betroffene deutlich über körperliche Beschwerden. Das Denken ist zwar langsam und gehemmt, aber der Betroffene hat keine Anzeichen der Verwirrtheit.

• Bei Demenz verleugnet der Betroffene seine Beschwerden. Es treten Zustände der geistigen Verwirrtheit auf, besonders nachts.

Was können Sie gegen Altersdepression tun?

Das Vorliegen einer Altersdepression ist eine ernst zu nehmende Krankheit. Denn auch eine Depression kann einen tödlichen Ausgang haben. Wenn eine Depression nicht behandelt wird, verliert der Betroffene ein großes Stück Lebensqualität.

Die Freude am Leben geht verloren und nicht selten haben depressive ältere Menschen den Wunsch zu sterben. Überlegungen sich das Leben zu nehmen, können in depressiven Phasen sehr gefährlich werden.

Über die eigene Depression sollte offen gesprochen werden. Dafür ist es am besten sich professionelle Hilfe zu suchen. Ein Psychotherapeut bzw. ein Gerontopsychiater – ein Facharzt für psychische Leiden im Alter – kann feststellen, worin die individuellen Ursachen für die Depression bestehen. Eine Behandlung kann in dieser Form mit der Behandlung von eventuell körperlichen Leiden kombiniert werden.

Auch an den Einsatz von Antidepressiva ist zu denken. Bei älteren Menschen können Arzneimittelresistenzen vorhanden sein, weil häufig bereits unterschiedliche Mittel gegen verschiedene Beschwerden eingenommen werden. Der Arzt, der Antidepressiva verschreibt, ist deshalb unbedingt angehalten, sich über die bereits eingenommenen Medikamente in einer Anamnese zu informieren. Zudem sollten nach Möglichkeit Antidepressiva verschrieben werden, die keine starken Nebenwirkungen zeigen.

Im Zweifelsfall kann ein Aufenthalt in einer Tagesklinik in Verbindung mit einer Gruppen- oder Einzeltherapie hilfreich sein. Die Therapieformen können unterschiedlich sein. In der Gruppe lernt der Betroffene offen mit seiner Diagnose umzugehen und hat die Möglichkeit sich mit anderen Menschen auszutauschen, welche an der gleichen Krankheit leiden.

Eine Tagesklinik kommt dann in Betracht, wenn die Depression eine schwerwiegende Form angenommen hat.

Eine solche Therapie kann in Kombination mit der Einnahme von Medikamenten (Psychopharmaka) gegen Depressionen dabei helfen, die Depression zu bekämpfen. Die Therapie bei einem Psychologen oder in einer Tagesklinik übernimmt in der Regel die Krankenkasse.

Es sollte nicht vergessen werden, dass nicht richtig funktionierende chemische Prozesse im Körper auch eine Ursache für das Vorliegen einer Depression sein können.

Häufig besitzen depressive Menschen einen niedrigen Serotoninspiegel. Serotonin ist ein Hormon, auch bekannt als „Glückshormon“. Es ist empfehlenswert sich diesbezüglich testen zu lassen. Um den Serotoninspiegel wieder ins Gleichgewicht zu bringen, können Nahrungsmittelergänzungen auf pflanzlicher Basis eingenommen werden, wie z. B. das sogenannte 5-HTP oder auch 5-Hydroxytryptophan.

Entspannung und Unterstützung durch Familie und Freunde

Der Betroffene sollte sich zudem Ruhe und Entspannungsphasen gönnen. Auf Phasen der Entspannung kann eine sportliche Betätigung folgen. Schon ein Spaziergang an der frischen Luft kann dabei helfen, den Geist zu beleben und den Blick auf die kleinen Freuden des Lebens zu richten, die sich außerhalb der eigenen vier Wände befinden.

Es ist nicht immer leicht, den ersten Schritt in die richtige Richtung zu machen. Viele älteren Menschen wissen oftmals nicht, wohin sie sich mit ihren Beschwerden wenden können.

Folgende Schritte sind notwendig, wenn eine Depression besteht:

  1. Zunächst muss ein Psychotherapeut oder ein Psychiater der eigenen Wahl gesucht werden. Psychiater haben einen anderen Schwerpunkt als Psychotherapeuten, da sie Medikamente verschreiben dürfen, wobei viele Psychiater auch eine Ausbildung zur Psychotherapie haben.
  2. Das Internet bietet heute die Möglichkeit diskret von zu Hause einen Psychotherapeuten zu finden. Viele Therapeuten lassen sich beispielsweise über Bewertungsplattformen wie Jameda empfehlen. Durch die Bewertungen anderer Patienten kann sich der Betroffene ein Bild vom Arzt machen. Ist ein Arzt gefunden und ein Termin vereinbart, muss der Betroffene nur noch zum Termin gehen. Dort zeigt sich dann, ob zwischen Patient und Therapeut die Chemie stimmt. Besonders bei psychotherapeutischen Behandlungen ist viel Einfühlungsvermögen gefragt.
  3. In der Regel ist vom Psychologen oder dem Psychiater ein Formular auszufüllen und der Krankenkasse für eine Kostenübernahme vorzulegen.

Betroffene sollten sich nicht entmutigen lassen

Zu bedenken ist, dass die Suche nach Hilfe nicht immer leicht sein wird. Viele Psychiater sind überlastet und nehmen keine Patienten mehr auf. In diesen Fällen sollte die Ablehnung nicht persönlich genommen werden. Es kann auch sein, dass der Betroffene anfangs auf eine Warteliste kommt. Davon sollte sich der an Depressionen Erkrankte nicht entmutigen lassen. Während einer eventuellen Wartezeit können eigenständige Schritte in Angriff genommen werden. Regelmäßige Spaziergänge an der frischen Luft oder leichte Wanderungen verbessern die Stimmung. Durch Bewegung und soziale Kontakte kommen der Kreislauf und das Selbstwertgefühl wieder in Schwung.