Inkontinenz – also der unfreiwillige Verlust von Stuhl oder Harn – ist nicht nur ein Problem im Alter, es kommt jedoch mit zunehmendem Alter vermehrt zu diesem Problem. Mehr als 2 Millionen Betroffene in Deutschland sind über 60 Jahre alt, in der Altersgruppe über 80 Jahren sind sogar 30 Prozent von Inkontinenz betroffen.

Inkontinenz stellt einen der Hauptgründe für die Einweisung in ein Pflegeheim dar. Als Ursache kommen dabei chronische Krankheiten wie Alzheimer-Demenz, Multiple Sklerose oder Parkinson ebenso in Frage wie Inkontinenz als Folgesymptomatik von akuten Ereignissen wie einem Schlaganfall oder nach Querschnittslähmung.

Bei Männern resultiert die Inkontinenz meistens aus der gutartigen Prostatavergrößerung oder ist eine häufige Folgeerscheinung nach Prostataoperationen (nach radikaler Prostataentfernung leidet ca. ⅒ aller Patienten an bleibender Blasenschwäche). Frauen sind jedoch schon alleine aus anatomischen Gründen häufiger von Harninkontinenz (Blasenschwäche) betroffen als Männer.

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Auch wenn die Dunkelziffer aus Scham vor der Erkrankung und der Scheu vor dem Aufsuchen eines Arztes bezüglich des Problems recht hoch ist, geht man in Deutschland von mehreren Millionen Betroffenen aus. Ein Problem also, dem deutlich vermehrte Aufmerksamkeit geschenkt werden sollte.

Auswirkungen der Inkontinenz

Noch vor Diagnosestellung führt die Inkontinenz häufig zu sozialer Isolierung. Es stellt für viele Betroffene eine ungeheure psychische Belastung dar, nur mit dem Wissen außer Haus gehen zu können, eventuell unsauber zu werden. Das große Schamgefühl hindert viele Betroffene auch lange am Gang zum Arzt. Das Thema wird lieber totgeschwiegen, bis die Erkrankung in einem weit fortgeschrittenen Stadium trotz inzwischen antrainierter Gewohnheiten und Praktiken nicht mehr zu verheimlichen ist.

Dabei stehen die Chancen auf eine Heilung umso besser, je früher der Patient behandelt wird. Auch in Fällen, bei denen eine vollständige Heilung nicht mehr möglich ist, kann häufig eine Verbesserung in Form der größeren Selbstbestimmung durch zumindest zeitweilige Kontinenz geschaffen werden.

Auch gibt es inzwischen eine Fülle moderner Inkontinenzprodukte, die die Teilnahme an einem aktiven, sozialen Leben ermöglichen und so vor der Isolation schützen können. Die psychische Abwärtsspirale bei Fortschreiten der Erkrankung wird auch gut durch folgenden Spruch zum Ausdruck gebracht: „Die Inkontinenz bringt einen nicht um, aber sie nimmt einem das Leben“. So weit muss es definitiv nicht kommen!

Inkontinenzprodukte

Da bei der Inkontinenz inzwischen von einer Volkskrankheit gesprochen werden kann, stehen heutzutage eine Vielzahl an Produkten als Hilfe zur Verfügung. Unterschieden werden kann dabei grob in saugende, ableitende oder sonstige Hilfsmittel.
Am häufigsten werden sicherlich die diversen saugenden Hilfsmittel eingesetzt. Dabei sind, je nach Stärke der Inkontinenz, Produkte in unterschiedlichen Größen, Saugstärken und Arten erhältlich. Auch Mehrwegprodukte sind verfügbar. Wichtig ist die Abstimmung auf die Stärke der Inkontinenz sowie das sichere Aufnehmen der Flüssigkeit und natürlich auch die Vermeidung von eventuell entstehenden Gerüchen. Die Produktpalette reicht von kleinen Einlagen bis zum Windelslip.

Den Folgen der Inkontinenz wirksam entgegentreten

Zu den ableitenden Hilfsmitteln zählen alle Arten von Kathetern sowie die Kondomurinale für Männer. Der Harn wird dabei in einem Beutel aufgefangen, der auch diskret am Bein getragen werden kann. Es ist also auch beim Einsatz eines Dauerkatheters die Mobilität voll gegeben.

Eine Sonderform stellen Katheter für die intermittierende Selbstkatheterisierung dar, bei denen der Patient oder die Patientin selbst, beziehungsweise mit Hilfe der Pflege, die Katheterisierung vornimmt und der Harn auch direkt in die Toilette abgeführt werden kann. Das Tragen eines Urinsammelbeutels kann somit umgangen werden.
Neben diesen gebräuchlichen Hilfsmitteln gibt es noch eine Vielzahl, die nicht einer der beiden Kategorien zugeordnet werden können. Sie werden entweder im Körper getragen (zum Beispiel Pesare, Scheidentampons oder Analtampons) oder in Kombination mit saugenden Hilfsmitteln eingesetzt (zum Beispiel Schutz- oder Fixierhosen).
Durch die Einbindung von Hausarzt, Pflege und unterstützenden Personen kann einer Pflegeheimeinweisung aus Gründen der Inkontinenz lange entgegengewirkt werden und einer selbstbewussten Freizeitgestaltung ohne Ängste und Sorgen steht nichts im Weg.