Das Tückische an Depressionen ist, dass diese oft nicht als solche erkannt, sondern häufig von körperlichen Symptomen wie Magen-Darm-Beschwerden überlagert oder in reiferen Jahren als normale Alterserscheinungen leichtfertig abgetan werden. Die Ursachen für Depressionen im Alter können dabei vielfältig sein: nicht bewältigte Trauer ausgelöst durch den Tod des Partners, Vereinsamung oder der Schmerz über den Verlust der eigenen Fähigkeiten und der daraus resultierenden Hilfsbedürftigkeit. Doch auch Nicht-Mediziner können durch liebevolle Anteilnahme einiges tun, um Depressiven ihr Schicksal zu erleichtern.

Vorbeugen statt heilen: Möglichkeiten, um Depressionen im Alter zu vermeiden

Oft finden sich Senioren plötzlich im Ruhestand wieder, haben das Gefühl nicht mehr gebraucht zu werden, wobei sich häufig Ängste dazugesellen, die um das Thema Alter kreisen: Angst davor ein Pflegefall zu werden, Angst vor Altersarmut etc. Zwar gibt es nicht das Mittel schlechthin, um Depressionen vorzubeugen, doch kann man einiges tun, um Menschen auf die Zeit nach der Berufstätigkeit vorzubereiten: Medizinisch erwiesen ist, dass regelmäßige sportliche Betätigung ein wirksamer Schutz ist. Zudem sollte man sich beizeiten mit dem Thema „Ruhestand“ auseinandersetzen, indem man beispielsweise Hobbys und Interessen aufbaut. Auch ist die Einbettung in ein soziales Netz wichtig, welches Vertrauen und Geborgenheit vermittelt.

Trauerbewältigung als Weg aus der Depression

Vor allem Angehörige der älteren Generation haben häufig fast ihr ganzes Leben mit ihrem Partner verbracht. Umso mehr schmerzt der Verlust, wenn dieser stirbt. Der Verlustschmerz kann dabei so weit gehen, dass Fachleute von einer sog. malignen Trauer sprechen: Es handelt sich dabei um eine bösartige Form. Der Betroffene kommt nicht über den Verlust hinweg und bleibt in seinem Verarbeitungsprozess sprichwörtlich stecken. Die Folge können Depressionen sein. Angehörige können helfen, indem sie für therapeutische Trauerbewältigung wie eine kognitive Verhaltenstherapie sorgen und dem Betroffenen einfühlsam aufzeigen, dass er nach dem Tod des Partners auch alleine zurechtkommt.

Einfühlsamkeit, Verständnis und Geduld als Schlüssel zu depressiven Seelen

Depressive brauchen besonders viel Geduld, Verständnis und Einfühlsamkeit von ihren Mitmenschen, da sie sich nicht „mal eben zusammenreißen“ können. Angehörige können auf chronische Niedergeschlagenheit einwirken, indem sie beispielsweise darauf hinweisen, was der Betroffene noch alles kann. Die Trauer über den Verlust der eigenen Fähigkeiten ist ein häufiger Grund für Depressionen im Alter. Auch ist es hilfreich, Senioren dazu zu ermutigen, sich öfter in Gesellschaft zu begeben, um einer Vereinsamung entgegenzuwirken. Besuche und ein liebevolles Miteinander schaffen zusätzlich eine Atmosphäre der Verbundenheit und heilenden Anteilnahme.

Ärztliche Hilfe suchen

Da es sich bei Depressionen um ein ernstes Krankheitsbild handelt und nicht um eine vorübergehende Verstimmung, sollten Sie einen Arzt konsultieren. Dieser wird – falls notwendig – unter anderem Psychopharmaka verschreiben. Allerdings ist bei der Verordnung von Medikamenten Vorsicht geboten: Durch eine zu starke Sedierung können Folgegefahren entstehen, wie noch mehr Vereinsamung, zunehmende Immobilität und ein weiterer Verlust von Fähigkeiten. Stürze und die damit einhergehende Verletzungsgefahr können eine Konsequenz sein. Ein kompetenter Mediziner wird deswegen die Verordnung von Medikamenten bei der minimal notwendigen Dosis belassen. Hinterfragen Sie die Verschreibung von Psychopharmaka deswegen immer kritisch und lassen Sie sich über Risiken und Nebenwirkungen aufklären.

Selbstmordgedanken ernst nehmen

Über 40 Prozent aller Selbstmorde werden von Personen über 60 Jahren unternommen, wobei Depressionen die Hauptursache hierfür sind. Da Selbstmord ein sehr ernstes Thema ist, sollten Depressive vorsichtig und einfühlsam darauf angesprochen werden. Häufig wagen sie es nicht, selbst die Sprache darauf zu bringen und fühlen sich erleichtert, darüber reden zu können. Bei Suizidgedanken sollten Angehörige den Betroffenen dazu ermutigen, einen Psychologen zu konsultieren und ihn gegebenenfalls dorthin begleiten.

In einer Therapie können wirkungsvolle Strategien erarbeitet werden, um mit dem Thema „Alter“, das für viele Ältere sehr belastend sein kann, besser umgehen zu können. Depressionen sind kein unumstößliches Schicksal und können behandelt werden. Dies ist die gute Nachricht!