Das Gefühl, dass es niemanden zum Reden und Austauschen gibt, kann für jeden Menschen unerträglich werden. Besonders ältere Menschen über 80 Jahre sind in Deutschland von Einsamkeit betroffen. Sie leben allein, ohne ihre Familienangehörigen, die berufstätig sind oder gar nicht am selben Ort leben, bekommen nur selten Besuch von Freunden und haben als einzigen regelmäßigen Kontakt zu ihrer Umwelt den ambulanten Pflegedienst, welcher einmal pro Tag kommt, oder den regelmäßigen Arztbesuch oder Einkauf. Auch bei Verlust des Lebenspartners stürzen viele Menschen in ein tiefes Loch, aus dem sie aus eigener Kraft schlecht wieder heraus kommen. Eine Studie des Deutschen Zentrums für Altersfragen (DZA) ergab, dass jeder Vierte nur noch einmal im Monat Besuch von Freunden und Bekannten bekommt. Hinzu kommt eine hohe Dunkelziffer von Betroffenen. Es ist zu befürchten, dass sich der Anteil mit zunehmender Anzahl älterer Menschen in den kommenden Jahren noch weiter verschärfen wird.

Es gibt eigentlich niemanden, der Einsamkeit umgehen kann. Einsamkeit ist etwas anderes als das Alleinsein. Alleinsein trägt eine temporäre Komponente. Die Phasen des Alleinseins empfinden zahlreiche Menschen sogar als angenehm, weil sie in dieser Zeit ohne Störungen zu sich selbst finden können. Einsamkeit dagegen beschreibt ein großes Nichts. Das Gefühl beachtet und gebraucht zu werden fehlt. Besonders ältere Menschen sind betroffen. Die zunehmende Einsamkeit kommt meist allmählich. In vielen Fällen gehen mit dem Altern Umstände einher, wie z. B. der Tod von Freunden, das eigene Leben der bereits erwachsenen Kinder, Krankheit, Scheu vor Neuem oder schlicht die Angst vor der immer moderner werdenden Welt, die gesellschaftlichen Kontakte einschränken. Gerade wenn körperliche Beschwerden hinzukommen und die Bewegungsmöglichkeit begrenzt ist, wird das nach draußen Gehen erschwert oder unmöglich gemacht und wichtige soziale Kontakte gehen verloren.

Aktiv nach individuellen Lösungen suchen

Einsamkeit macht auf Dauer unglücklich und krank, die Lebenserwartung sinkt nachweislich. Deshalb ist es wichtig, frühzeitig einen Weg aus der Einsamkeit zu finden. Für Menschen, welche lange Zeit in Einsamkeit gelebt haben, ist es meist schwer, plötzlich aktiv zu werden. Zu groß sind oftmals die Angst oder die Scheu sich Hilfe von außen zu holen. Es gehört daher ein bisschen Mut und Offenheit dazu, um seiner Einsamkeit ein Ende zu setzen. Dabei ist der erste Schritt in der heutigen Zeit auf verschiedenen Wegen möglich.

Das Internet bietet jedem die Möglichkeit Kontakte zu knüpfen. Kenntnisse über den Umgang mit einem Computer bringen viele Senioren aus ihrem ehemaligen Berufsalltag mit. Wenn das nicht so ist, gibt es entweder die Möglichkeit die Kinder oder Enkel zu fragen oder Einführungskurse für den Computer zu besuchen. Über das Internet können alte Bekannte ausfindig gemacht werden. Es ist auch möglich sich an dem Alter entsprechenden virtuellen Konversationen zu beteiligen. Schon ein einziger Kontakt mit einem anderen Menschen, der womöglich auf der anderen Seite der Welt lebt, kann ausreichen, um das Gefühl der Einsamkeit aus der Welt zu schaffen.

Kontakte über kirchliche Gemeinden, Vereine und Seniorenzentren

Die jeweilige Wohnumgebung bietet vielfach Möglichkeiten Kontakte zu knüpfen. Besonders in kirchlichen Gemeinden gibt es gemeinsame Veranstaltungen und Aktivitäten, in der von Einsamkeit Betroffene neue Menschen – vor allem in ihrem Alter – kennenlernen können. Die Kirche macht sämtliche Informationen über anstehende aktuelle Ausflüge für Senioren leicht zugänglich – entweder über Aushänge oder über das Kirchenblatt. Besonders bei Pfarrfesten gibt es viele ältere Menschen, die gemeinsam am Tisch in geselliger Runde zusammenfinden. Häufig herrscht auf solchen Veranstaltungen eine warmherzige und offene Stimmung. Ein Pfarrfest kostet zudem keinen Eintritt. Auch derjenige, der kein Geld hat, ist dort willkommen.

In größeren Städten wie Berlin, Köln, Düsseldorf oder Hamburg gibt es zudem Seniorenzentren und Vereine, welche meist über Spenden und ehrenamtliche Mithilfe finanziert werden und verschiedene Angebote ausschließlich für Senioren anbieten. Hierzu gehören zum Beispiel Lesekreise, Chöre, gemeinsame Ausflüge, Veranstaltungen und Feste, Sport- und Fortbildungskurse.

Wer keiner körperlichen Bewegungseinschränkung unterworfen ist, hat den großen Vorteil, dass er an gemeinschaftlichen Angeboten wie Wanderungen oder Ausflügen teilnehmen kann. Das gemeinsame Unternehmen schafft ein Gemeinschaftsgefühl und erleichtert es Kontakte zu knüpfen.

Welche Orte oder Möglichkeiten bieten einen Weg neue Menschen kennenzulernen?

Es gibt verschiedene Wege aus der Einsamkeit. Eine kleine Auswahl gibt es im Folgenden:

In Seniorentagesstätten: Hier können Senioren den ganzen Tag verbringen, gemeinsam Essen, an Aktivitäten teilnehmen und werden professionell von geschulten Pflegekräften unterstützt.

Ehrenämter: Ehrenamtliche Hilfe in sozialen Einrichtungen wie Seniorenzentren, Kitas, Schulen, Krankenhäusern und Hospizen wird immer benötigt. Über Stadtteilzentren oder Freiwilligenagenturen der Städte werden ehrenamtliche Tätigkeiten ausgeschrieben.

Seniorenstudium: Für ältere Menschen, die den Wunsch haben sich noch im Alter weiterzubilden, besteht die Möglichkeit sich als Gasthörer an einer Universität einzuschreiben. Gegen einen Beitrag können dann alle Kurse der Wahl besucht werden. Auch als Fernstudium von zu Hause und mit dem Computer ist das möglich.

eigene Hobbies verfolgen: Bestehen alte Hobbies, welche aufgrund der Arbeit vernachlässigt wurden oder gibt es schon seit langem den Wunsch ein bestimmtes Hobby auszuführen? – Dann ist gerade im Alter Zeit dafür. Wie wäre es mit Yoga für Senioren? Das hält nicht nur gelenkig, sondern macht in der Gruppe besonders Spaß.

Nicht jeder Mensch mag Gruppenaktivitäten

Dennoch können auch diese Menschen unter Einsamkeit leiden. Eine Psychoanalyse kann dabei helfen, für sich zugeschnittene individuelle Lösungen und Vorgehensweisen zu finden. Eine Psychoanalyse gibt eine Anleitung persönliche Verhaltensmuster einzuordnen, zu überdenken und zu ändern. Alte Muster werden aussortiert und gedanklich in Schubladen verwahrt. Es entsteht Platz für neues. Der Effekt kann sich in der Schöpfung von Mut und Offenheit für neue Dinge äußern. Sie sind Voraussetzung um neue Menschen kennenzulernen und einen Weg aus der emotionalen und sozialen Einsamkeit zu finden.