Eltern und Großeltern sind wir oft tief verbunden und verdanken ihnen viel. Wenn diese geliebten Menschen, auf deren Unterstützung wir früher stets vertraut haben, plötzlich selbst Hilfe brauchen, stellt das jede betroffene Familie vor eine große emotionale und organisatorische Herausforderung. Das gilt umso mehr, als dass die meisten Seniorinnen und Senioren so selbstbestimmt wie irgend möglich leben möchten und ihr Zuhause, insbesondere das eigene Haus oder die Eigentumswohnung, nur äußerst ungern aufgeben. Den Spagat zwischen den verständlichen und durchaus berechtigten Wünschen älterer Menschen und den Bedürfnissen und Lebenszwängen der Angehörigen, schafft kaum eine Familie ohne fremde Hilfe – zum Glück muss sie auch gar nicht.

In Deutschland gibt es seit Einführung der Pflegeversicherung im Jahr 1995 ein umfassendes Hilfsangebot, das von der Kranken- und Pflegekasse zumindest mitfinanziert wird. Je früher Betroffene und ihre Familien sich über die bestehenden Hilfsangebote informieren, desto einfacher und entspannter gelingt der Übergang in den letzten Lebensabschnitt, der uns wieder auf fremde Hilfe angewiesen sein lässt. Besonders wichtig ist dabei auch die Frage, welche Art Hilfe eine Person braucht, da es zwischen einfacher Betreuung und qualifizierter Pflege zahlreiche juristische und praktische Unterschiede gibt.

Was bedeutet Grundpflege (Betreuung)?

In Deutschland wird rechtlich zwischen der sogenannten Grundpflege und der Behandlungspflege unterschieden. Wenn Sie eine Hilfskraft engagieren und dafür finanzielle Unterstützung durch die zuständige Kranken- und Pflegekasse in Anspruch nehmen wollen, müssen Sie den Unterschied kennen und berücksichtigen.

Unter dem Begriff Grundpflege wird die Hilfestellung im Alltag verstanden. Es geht hier also um die Erledigung von Arbeiten, die ältere Menschen oft nicht mehr selbst verrichten können, weil sie dafür bereits zu gebrechlich sind. Viele Seniorinnen und Senioren sind oft nicht mehr im Stande, sich allein zu waschen oder sich zu kleiden. Auch der Gang auf die Toilette stellt häufig eine Hürde dar, die nicht mehr alleine bewältigt werden kann.

Andere Senioren brauchen dagegen nur Hilfe, wenn sie das Haus verlassen, weil sie nicht mehr gut hören oder sehen und der Gang in den Supermarkt ohne fremde Hilfe nicht mehr möglich ist. Auch das Tragen der eigenen Einkäufe kann einen älteren Menschen schnell überfordern. Und dann sind noch Hund und Katze oder wenigstens ein Kanarienvogel zu versorgen. Den meisten Seniorinnen und Senioren würde es das Herz brechen, sich von ihrem Liebling trennen zu müssen, weil sie ihn nicht mehr ausreichend versorgen können. – Die Tierbetreuung fällt deshalb ebenfalls unter die Grundpflege. Das gleiche gilt für Aktivitäten, wie etwa die Begleitung ins Caféhaus oder ins Theater, die alte Menschen davor schützen, zu vereinsamen.

Diese grundpflegerischen Leistungen dürfen von jedermann erbracht werden. Die Übernahme der Kosten durch die Kranken- und Pflegekasse erfolgt in diesen Fällen unabhängig davon, ob die Pflegekraft über eine formale Ausbildung verfügt oder nicht. Solche Tätigkeiten können daher vom Lebenspartner, Familienangehörigen oder Freunden übernommen werden, ohne dass die staatliche Unterstützung versagt wird. Meist ist es aber für alle Beteiligten besser, eine Betreuerin oder einen Betreuer zu engagieren, da die tagtägliche Hilfestellung in solchen Situationen enorm fordernd sein und die persönliche Beziehung zwischen Pfleger und Pflegebedürftigem schwer belasten kann.

Was beinhaltet die Behandlungspflege?

Unterschied zwischen Betreuung und Pflege - medizinische Aufgaben - Infusion legenIst ein Angehöriger nicht nur alt, sondern zudem krank, braucht er in der Regel Behandlungspflege. Diese ist in im Sozialgesetzbuch Fünf geregelt und hat ausschließlich medizinische Leistungen zum Gegenstand, die auf Basis einer ärztlichen Verordnung durchgeführt werden.

Zur Behandlungspflege zählen zum Beispiel das Setzen von Spritzen, das Anlegen von Kompressionsverbänden oder die Blutdruckmessung. Diese Tätigkeiten sollten schon aus rein medizinischen Gründen nur von erfahrenen examinierten Pflegekräften erledigt werden. Darüber hinaus müssen Sie mit einer Verweigerung der Kostenerstattung durch die Sozialversicherungsträger rechnen, wenn die Behandlungspflege durch einen Laien verrichtet wird. In solchen Fällen sollten die Pflegebedürftigen immer eine examinierte Fachkraft beauftragen oder auf einen seriösen Pflegedienst vertrauen.