Es gibt Paare, die über einen sehr langen Zeitraum miteinander verheiratet sind. Wenn ein Ehepartner dann plötzlich stirbt, so stellt dies für den anderen zurückbleibenden Menschen einen großen Verlust dar, der oftmals nur sehr schwer verkraftet werden kann. Plötzlich ist alles anders: Es fehlt die Unterstützung im Alltag, es fehlt der beste Freund und Gesprächspartner.

Emotionale Vereinsamung

Jüngere Menschen schaffen es normalerweise nach einer bestimmten Zeit der Trauer, wieder neuen Lebensmut zu fassen und sich neu zu orientieren. Für ältere Trauernde ist dies jedoch häufig gar nicht oder nur sehr schwer möglich, da sie sich aufgrund der engen Verbundenheit emotional nicht vom Partner lösen können. Viele lassen sogar den Kleiderschrank unberührt oder verreisen noch immer an die gewohnten Urlaubsziele, mit denen sie viele Erinnerungen verbinden. Eine Neuorientierung ist kaum vorstellbar, viele ältere Menschen fühlen sich einsam und allein. Da auch zahlreiche körperliche Fähigkeiten im Alter immer mehr nachlassen, stehen die Hinterbliebenen zusätzlich noch vor Alltagsproblemen, die auch zu Depressionen führen können.

Beratungsstellen für Hinterbliebene

Sehr wichtig ist in diesem Zusammenhang der Austausch mit anderen Betroffenen, die ebenfalls den Tod eines Partners verarbeiten müssen. In speziellen Beratungsstellen für Trauernde haben sie die Möglichkeit, über ihre schwierige Situation zu sprechen, was dazu beiträgt, dass der Verlust besser verarbeitet werden kann. Neben psychologischen Beratungsstellen können sich Trauernde auch an Seelsorger oder an ihren Hausarzt wenden. Kirchliche Träger bieten sehr häufig ehrenamtliche Trauergruppen oder Trauercafés an. Darüber hinaus gibt es zahlreiche ambulante Hilfsdienste, die ebenfalls über eine Trauerbegleitung verfügen.

Geregelter Alltag

Wichtig ist es für Trauernde darüber hinaus, Routinen beizubehalten und gewohnte Tätigkeiten der neuen Situation anzupassen. Feiertage wie Weihnachten oder Ostern sollten neu gestaltet werden, da der Verlust an diesen Tagen besonders deutlich zutage kommt und sich die Trauer verstärkt. Familie und Freunde können Trauernden helfen, indem sie ihnen Ablenkung schenken und ihnen das Gefühl geben, gebraucht zu werden. Vielen Menschen hilft es, sich einen Ort auszuwählen, an dem man dem verstorbenen Partner immer wieder in einem inneren Gespräch begegnen und die Beziehung auf anderer Ebene weiterführen kann. Dadurch entsteht das Gefühl, dass der Geliebte nicht für immer verloren ist.

Hilfreich kann außerdem das Schreiben eines Erinnerungsbuches sein, in dem gemeinsame Lebensstationen und Erlebnisse notiert werden. Es ist für Hinterbliebene wichtig, dass der Trauerprozess aktiv durchlebt wird. Jeder braucht seine Zeit, um Ängste und Schmerz zu verspüren und um wieder genießen zu lernen. Am Ende dieses Prozesses ist die Traurigkeit über den Verlust des Partners und darüber, dass die gemeinsame Zeit vorüber ist, nicht verschwunden, aber der Umgang mit der Trauer ist einfacher und das Wissen um die gemeinsame Zeit vielmehr eine dankbare Erinnerung.

Neue Kontakte knüpfen

Viele ältere Menschen entscheiden sich dafür, nach dem Tode eines Partners keine Beziehung mehr führen zu wollen, da sie Angst haben, den verstorbenen Partner dadurch zu hintergehen. Diese Entscheidung sollte akzeptiert werden, aber die Hinterbliebenen sollten dennoch nicht vergessen, Kontakte zu anderen Menschen zu halten oder neue Kontakte aufzubauen. Auch Tiere können sehr hilfreich sein, da sie gute Zuhörer sind und älteren Menschen eine neue Aufgabe geben. Des Weiteren können unterschiedliche Veranstaltungen oder Aktivitäten eine Möglichkeit sein, neue Menschen kennen zu lernen und Freundschaften zu schließen.