Unzählige Experten sind der Meinung, dass Pflegeberufe immer wichtiger werden. Genau deshalb fordern die Wohlfahrtsverbände und Pflegekräfte einerseits die gesellschaftliche Anerkennung und andererseits mehr Unterstützung von Seiten der Politik. Auch wenn SPD, CDU und CSU ein Pflegekonzept erarbeitet haben, so handelt es sich hier nur um eine Art Nothilfe. Von einem richtigen Konzept, das Nachhaltigkeit verspricht, ist man – der Meinung sind zumindest die Experten – weit entfernt. Was verspricht der Deutsche Pflegetag 2018?

Wird der Deutsche Pflegetag 2018 für neue Erkenntnisse sorgen?

Der Deutsche Pflegetag, der als führender Pflegekongress vom 15. bis 17. März 2018 in der Bundeshauptstadt Berlin abgehalten werden wird, agiert dieses Jahr unter dem Motto „Teamarbeit – Pflege interdisziplinär“.

Über 10.000 Besucher, die allesamt in der Pflegebranche daheim sind, werden erwartet. Zahlreiche Experten, Politiker, Pflegekräfte und Vertreter der Wirtschaft und Gesellschaft werden vor Ort sein, ihre Erfahrungen kundtun, sich vernetzen und hoffentlich neue Lösungsansätze einbringen und erhalten.

Am Ende kommt es auch zur Bewertung, was seit dem 12. Mai 2017, als Karl-Josef Laumann, der Pflegebevollmächtigte der damaligen Bundesregierung, mehr Wertschätzung für all jene gefordert hatte, die dem Pflegeberuf nachgingen, passiert ist. Laumann sprach damals von der Zusammenlegung der Ausbildungen in den Bereichen Kranken-, Alten- und Kinderkrankenpflege, sodass eine nachhaltige Strategie verfolgt werden könne, um den steigenden Bedarf an Pflegefachkräften zu decken.

Hohe Lebenserwartung sorgt für einen Anstieg der dementiellen Erkrankungen

Die Problematik mag die Politik zwar erkannt haben, jedoch werden noch immer nicht die daraus resultierenden Konsequenzen gezogen. Die Prognosen zeigen, dass bald jeder fünfzehnte Deutsche pflegebedürftig sein wird. Derzeit leben in der Bundesrepublik rund 1,5 Millionen Menschen, die an Demenz erkrankt sind. 2050 werden es um die drei Millionen Menschen sein.

Die Verlängerung der Lebenszeit mag zwar für die deutsche Kultur und für die Medizin sprechen, jedoch gibt es keinerlei Antworten auf jene Probleme, die durch eine älter werdende Gesellschaft entstehen. Die Tatsache, dass nun 8.000 Pfleger eingestellt werden sollen, ist dabei wenig zielführend, handelt es sich doch pro Heim gerade einmal um eine halbe Pflegekraft.

Vor allem kritisieren Experten die vorhandenen Heimmodelle. Einerseits sei die Betreuung im Seniorenheim teuer, andererseits feindlich gegenüber alten Menschen. Diese würden aus ihrer Umgebung herausgerissen, weil häusliche Pflege noch immer „bestraft“ und nicht belohnt würde. Darunter leidet die Qualität in der Pflege. Schlussendlich fließe das Geld der Sozialkassen so in die stationäre Pflege, die weitaus teurer als die häusliche Pflege sei und eine tatsächliche Unterstützung für Personen, die ihre Eltern oder Großeltern daheim pflegen, gäbe es nicht.

Sozialverband, Diakonie und Arbeiterwohlfahrt wollen Aufwertung des Pflegeberufes

Alle Reformen der Pflegeversicherung würden jedoch ohne Erfolg bleiben, wenn man nichts dahingehend unternehme, dass der Pflegeberuf deutlich attraktiver werde. Auch der Sozialverband VdK sprach von einer „sehr schwierigen Situation für die Angehörigen“; sie seien, so der Sozialverband, die „wichtigste Säule“ im Pflegesystem und müssten endlich entlastet werden.

Das heißt, es braucht eine rentenrechtliche Gleichstellung von Kinder- und Familienpflegezeiten und in weiterer Folge eine deutlich bessere Vereinbarkeit von Beruf und Pflege. Auch die Arbeiterwohlfahrt sprach sich für personelle Verbesserungen aus. Die Personalausstattung, die regional unterschiedlich sei, jedoch überall Defizite aufweise, würde die Pflege vor großen Herausforderungen stellen – am Ende seien die Pflegebedürftigen und die beruflich Pflegenden die Leidtragenden.

„Nur dann, wenn eine gute personelle Ausstattung gegeben ist, kann eine hohe Versorgungsqualität erreicht werden.“, so Brigitte Döcker von der Arbeiterwohlfahrt. Ähnliche Worte fand die Diakonie. Ulrich Lilie, Präsident der Diakonie, sprach sich für mehr Personal und eine Aufwertung des Pflegeberufes aus. „Jene Menschen, die heute in ein Pflegeheim kommen, werden älter, gebrechlicher und leiden an dementiellen Erkrankungen. Das heißt, die Pflege wird auch zeitaufwendiger“, so Lilie.