Schmerzen, Verspannungen und eine eingeschränkte Bewegungsfähigkeit haben viele Auslöser. Dazu gehören ein ungesunder Lebensstil, eine ungenügende Flüssigkeitsaufnahme, Krankheiten und eine generell eingeschränkte Mobilität. Auch ein Blick auf die Strukturen im Körper selbst lässt ein wenig Ursachenforschung zu: So sehen Mediziner und Physiotherapeuten auch die Faszien in der Verantwortung für einen geschmeidigen Bewegungsapparat.

Wenn in der Medizin von Faszien gesprochen wird, sind tatsächlich die Bindegewebefasern gemeint, die sich überall im Körper befinden und – vereinfacht ausgedrückt – alles an ihrem Platz halten. Sie bestehen im Wesentlichen aus Kollagen, Elastin und Wasser und sind mitverantwortlich für die Elastizität des gesamten Körpers.

Diese Faszien können verkleben, was vor allem auf Flüssigkeitsmangel und Stress zurückzuführen ist. Sind sie verklebt, behindern sie aufgrund von Verhärtungen alle Bewegungen und führen zu den bekannten Schmerzen und Verspannungen. Gezielte Übungen können die Faszien stimulieren und auflockern, und so die Geschmeidigkeit im Bewegungsapparat wieder herstellen und Schmerzen lindern.

Hilfreiche Faszien-Übungen

Faszien-Übungen erfordern kein spezielles Gerät und sind in der Wohnung durchführbar. Als Trainingsmaterialien werden nur der eigene Körper, eine Faszienrolle, Faszienbälle und gegebenenfalls eine Matte benötigt. Zudem sind Faszien-Übungen nicht mit sportlichen Höchstleistungen verbunden und können von jedem Menschen durchgeführt werden.

Sie zielen darauf ab, das Bindegewebe durch Druck und Massage zu stimulieren, zu kneten, zu bewegen – und so eine Lockerung herbeizuführen. Besonders an kritischen Punkten wie zum Beispiel im Nacken und im Lendenwirbelbereich können sie gute Dienste leisten.

Eine Faszienrolle wird beispielsweise auf den Boden gelegt (oder auf die Matte) und der gesamte Rücken wird darauf vor- und zurückgerollt. Selbiges lässt sich mit Beinen, Armen, dem Bauch, usw. realisieren. Für andere Stellen wie zum Beispiel die Fußsohlen sind Faszienbälle eine gute Alternative.

Das Faszientraining zielt darauf ab, die Verhärtungen in den Fasern zu lösen und ein besseres Körpergefühl zu erzeugen. Dabei sind Faszien-Übungen als längerfristiges Projekt anzusehen: Es kann mehrere Monate dauern, bis sich anhaltende Besserungen einstellen. Die Mühe lohnt sich. Schon wenige Einheiten pro Woche à 15 Minuten genügen.

Das Auswählen der richtigen Faszien-Übungen sollte sich nach den Leiden richten, aber immer den ganzen Körper umfassen. Möglicherweise kann ein Physiotherapeut beratend wirken, auch DVDs zum Thema und Broschüren können Interessierten die Faszien-Übungen gut erklären.

Durch ihre Einfachheit und das praktisch nicht vorhandene Verletzungsrisiko, kann jeder Mensch die Übungen ausprobieren. Dabei gilt: Viel hilft nicht viel. Übermäßiges Training hat keinen zusätzlichen positiven Effekt. Vielmehr kann es zu Blutergüssen kommen, wenn zu viel Druck über zu viel Zeit auf eine Körperstelle ausgeübt wird.

Faszien-Übungen in der Pflege

Ältere und pflegebedürftige Menschen sind besonders oft von den angesprochenen Leiden betroffen. Zum einen trinken sie häufig zu wenig und zum anderen kommt häufig mangelnde Bewegung hinzu. Entsprechend verkleben die Faszien und erschweren die Bewegungen zusätzlich.

Gerade in der Pflege ist es ein Leichtes, ein (betreutes) Faszien-Training durchzuführen. Auch ältere Menschen können, da sich die meisten Übungen am Boden oder an eine Wand gestützt durchführen lassen, an die Übungen herangeführt werden. Zur anfänglichen Gewöhnung an die Bewegungen können sie beispielsweise aktiv unterstützt werden, indem sie zunächst gestützt werden, um die Angst oder Unsicherheit zu nehmen.

Gleichzeitig sorgen die Faszien-Übungen für eine besonders effektive Lockerung des Körpers. Gepflegte Menschen, welche zum Beispiel durch Gymnastik noch körperlich aktiv sind, können die Faszien-Übungen auch vorbereitend durchführen, denn die Kombination aus Faszien-Übungen, Dehnung und Streckung erhält den Bewegungsapparat besonders effektiv.