Für Laien können die Regeln und Richtlinien, die im Zuge der Begutachtung zur Pflegestufe Anwendung finden, durchaus verwirrend sein. Nicht jeder Hilfebedarf hat einen Einfluss auf die Pflegestufe. Die Einstufung erfolgt nach den „Richtlinien des GKV-Spitzenverbandes zur Begutachtung von Pflegebedürftigkeit nach dem XI. Buch des Sozialgesetzbuches“. Das heißt, die Gutachter müssen sich an einen „Leitfaden“ halten, um am Ende die Höhe der Pflegestufe ermitteln zu können. Diese Richtlinien sind für die Öffentlichkeit zugänglich.

Doch nur die wenigsten Versicherten haben sich bislang mit dem Inhalt befasst. Wer sich im Vorfeld mit den Richtlinien beschäftigt, kann etwaige Fehler vermeiden, die im Zuge einer Begutachtung auftreten können.

Das Begutachtungsverfahren

Soll der Pflegegrad ermittelt werden, bewertet der Gutachter sechs Lebensbereiche. Damit soll er in weiterer Folge feststellen, wie es um die Selbständigkeit der zu untersuchenden Person bestellt ist.
Im Zuge des neuen Prüfverfahrens, das seit 1. Januar 2017 zur Anwendung gelangt, werden folgende Bereiche begutachtet: Mobilität, kommunikative und kognitive Fähigkeiten, Verhalten, Selbstversorgung, Bewältigung und Umgang mit therapie- oder krankheitsbedingten Belastungen und Anforderungen sowie die Gestaltung des alltäglichen Lebens.

Natürlich sind pflegebedürftige Personen und Angehörige meist nervös, wenn der MDK – der Medizinische Dienst der Krankenversicherung – die Ermittlung des Pflegegrades durchführt. Schließlich ist es der MDK, der in weiterer Folge darüber entscheidet, welcher Pflegegrad vorliegt. – Die Höhe des Pflegegrades hat einen unmittelbaren Einfluss auf die dann zur Verfügung stehenden Leistungen. Werden im Zuge der Begutachtung „Fehler“ gemacht, haben diese Auswirkungen auf die Einstufung des Pflegegrades. Wird etwa kein Pflegegrad anerkannt, gibt es kein Pflegegeld und es besteht kein Anspruch auf Pflegesachleistungen.

Genau deshalb ist es wichtig, dass sich die zu begutachtende Person und die Angehörigen, die im Zuge der Begutachtung ebenfalls vor Ort sein sollten, auf den Termin gut vorbereiten. Nur so können unnötige Fehler vermieden werden. Genauso wichtig ist es, sich nicht verrückt zu machen. Es kann immer Einspruch eingelegt werden, sollten Pflegebedürftige und Angehörige mit der Einschätzung der Begutachtung nicht einverstanden sein.

Welche Fehler Sie vermeiden sollten

Häufig stellt die pflegebedürftige Person ihre Situation besser dar, als sie eigentlich ist. Vielen Betroffenen fällt es schwer Ihre Hilfsbedürftig zuzugeben. Sie möchten sich ungern eingestehen, dass sie Hilfe benötigen. Zudem wollen sie ihre eigenen vier Wände bei einem Besuch im bestmöglichen Zustand präsentieren. – Der Begutachter soll nicht der Meinung sein, sie seien nicht mehr in der Lage, die eigene Wohnung zu reinigen. Mitunter übernehmen Angehörige diese Aufgabe. Der Nachteil ist, dass dem Begutachter dadurch ein unrealistisches Bild vermittelt wird. Die Wohnung sollte daher in einem „normalen“ Zustand verbleiben.

Wichtig ist zudem das Pflegetagebuch. Dem Gutachter sollte bis in das kleinste Detail berichtet werden können, welche Pflegemaßnahmen notwendig sind und wie viel Zeit bislang in die Pflege der zu begutachtenden Person investiert werden musste. Hierfür ist eine gute Dokumentation hilfreich. Dazu gehören neben dem Pflegetagebuch Unterlagen und Befunde von Ärzten und Krankenkassen. – Hat der Hausarzt einen Befund geschrieben, sollte dieser dem Gutachter vorgelegt werden.

Pflegebedürftige sollten sich nicht verunsichern lassen

Kommt es zur direkten Begutachtung, lassen sich pflegebedürftige Personen gerne durch diverse Suggestivfragen – wie „Sie kommen bis jetzt ganz gut allein im Haushalt zu Recht?“ – aus der Ruhe bringen und es kommt zur falschen Darstellung ihrer aktuellen Situation. Viele pflegebedürftige Menschen und Angehörige erwidern sogar nichts, selbst wenn sie der Meinung sind, der Gutachter hätte die Antwort nicht zu 100 Prozent richtig verstanden oder falsch interpretiert. Hier ist es gut, nochmal nachzufragen und das Gesagte bzw. Gemeinte gegebenenfalls richtigzustellen. Unsicherheit sollte nicht dazu führen, dass am Ende ein falscher Eindruck der Pflegesituation bleibt, welcher mit der Realität nur bedingt in Einklang steht.

Wichtig ist zudem, dass immer ein Angehöriger oder zumindest eine weitere vertraute Person anwesend sind. Das gibt den pflegebedürftigen Personen nicht nur mehr Selbstvertrauen, sondern stellt womöglich auch sicher, dass schwierige Fragen vollständig und richtig beantwortet werden können.