Seit 2007 haben ältere Menschen einen Rechtsanspruch auf eine sogenannte geriatrische Rehabilitation. Darunter werden Reha-Maßnahmen verstanden, die der Therapie von Krankheiten dienen, die insbesondere bei Senioren auftreten. Solche Maßnahmen werden zum Beispiel nach einem Schlaganfall oder einem Herzinfarkt empfohlen.

Schwerpunkte der Rehabilitationsmaßnahmen

Im Mittelpunkt der Rehabilitationsmaßnahmen stehen Sport-, Physio- und Ergotherapie. Sie zielen darauf ab, die Selbständigkeit des Betroffenen zu erhalten oder wiederherzustellen. Es werden deshalb vor allem Kraft, Ausdauer, Koordination, Motorik und Beweglichkeit trainiert. Außerdem üben die Patienten Alltagssituationen ein. Dazu zählen zum Beispiel das Ankleiden oder die Verrichtung bestimmter Körperpflegemaßnahmen.

Wenn nach einem Schlaganfall das Sprachzentrum geschädigt ist, werden Logopäden zugezogen, die dem Betroffenen helfen, wieder richtig sprechen zu lernen. Patienten mit seelischen Problemen werden durch Psychologen unterstützt.

Die finale Intention besteht darin, durch die geriatrische Reha den Eintritt der Pflegebedürftigkeit zu vermeiden, zu verzögern oder das Ausmaß der Pflegebedürftigkeit zu reduzieren. Die Maßnahmen werden von Ärzten überwacht und begleitet, sodass eine Behandlung akuter gesundheitlicher Probleme sichergestellt ist. Eine geriatrische Rehabilitation kann entweder ambulant oder während eines Aufenthalts in einer Kurklinik durchgeführt werden. Sie dauert in der Regel zwei bis drei Wochen.

Voraussetzungen und Ziele

Rehabilitation kann die Selbständigkeit der Betroffenen verbessern bzw. wiederherstellenDamit eine geriatrische Reha bewilligt wird, müssen bestimmte Voraussetzungen vorliegen. Die Maßnahme ist grundsätzlich für Menschen mit einem Mindestlebensalter von 70 Jahren vorgesehen. In Ausnahmefällen können auch jüngere Senioren davon profitieren. Des Weiteren muss der Patient mindestens zwei altersbedingte Erkrankungen aufweisen. Dazu zählen zum Beispiel Herz-Kreislaufleiden, Parkinson, Demenz und starker Gelenkverschleiß. Andere Erkrankungen, die im Rahmen einer geriatrischen Reha behandelt werden können, sind Harninkontinenz, Schwindelgefühle und Sturzneigung sowie chronische Schmerzen, Gebrechlichkeit, Schwerhörigkeit und Sehstörungen oder psychische Krankheiten, insbesondere Depressionen.

Die Leiden müssen so stark ausgeprägt sein, dass sie in absehbarer Zeit zur Pflegebedürftigkeit führen werden oder der Pflegefall bereits eingetreten ist. Eine geriatrische Reha wird oft im Anschluss an einen Schlaganfall, Eingriffen am Hüftgelenk oder Amputationen empfohlen.

Die geriatrische Reha zielt darauf die Selbständigkeit des Teilnehmers wiederherzustellen:

  • Geübt wird zum Beispiel der Bett-Stuhl-Transfer.
  • Darüber hinaus sollen die Patienten wieder lernen, ohne fremde Hilfe zu essen und zu trinken.
  • Eine weitere Zielsetzung ist das selbständige An- und Auskleiden sowie das sichere Manövrieren in den eigenen vier Wänden.
  • Die Patienten lernen außerdem, ihrem Tag wieder eine feste Struktur zu geben, was zur psychischen Stabilisierung beiträgt.

Nach Abschluss der Reha sollen die Teilnehmer wieder in der Lage sein, ihren Alltag weitgehend ohne fremde Hilfe zu bewältigen.

Mögliche Hürden bei der Antragstellung

Der Antrag wird meist durch den betreuenden Hausarzt oder einen Facharzt gestellt. Da eine geriatrische Rehabilitation sehr teuer ist, wird die Maßnahme von den gesetzlichen Krankenkassen im ersten Anlauf meist abgelehnt. Und das selbst dann, wenn alle objektiven Voraussetzungen erfüllt sind. Davon sollten sich die Patienten aber nicht abschrecken lassen und stattdessen Rechtsmittel einlegen.

Die Betroffenen kontaktieren am besten sofort die Reha-Klinik ihrer Wahl. Oft gibt es dort einen sozialen Dienst, der angehende Patientinnen und Patienten bei der Antragstellung unterstützt und begleitet. Wer Mitglied beim VdK ist, erhält ebenfalls kostenlose Unterstützung.

Senioren mit geringem Einkommen haben darüber hinaus einen Anspruch auf kostenlose Beratung durch eine Rechtsanwältin oder einen Rechtsanwalt. Den Beratungsschein gibt es bei der Rechtsantragsstelle des örtlichen Amtsgerichts. Senioren, die privat krankenversichert sind, haben meist keine Schwierigkeiten bei der Antragstellung. Wird die Maßnahme genehmigt, kann sich der Betroffene seine Wunschklinik in aller Regel selbst aussuchen. Je nach Krankenkasse und Einkommenssituation ist eine Zuzahlung von 10 Euro pro Tag zu leisten.