Eine Heilfastenkur soll Körper, Geist und Seele wieder auf Vordermann bringen. Der Verzicht auf feste Nahrung, aber auch auf Genussmittel wie Alkohol und Nikotin leitet eine körperliche Reinigungskur ein, die auch gegen chronische Erkrankungen schützen soll. Nun ist dieses körperliche und seelische Fastenkonzept, auf das sich ein eigener Wellnesszweig, spezielle Kurkonzepte und eigene Fastenärzte stützen, bei Ernährungswissenschaftlern keineswegs unumstritten. Gerade für ältere Menschen, bei denen sich oft schon die eine oder andere Alterserscheinung eingestellt hat, erscheint eine solche Kur nur bedingt empfehlenswert und sollte nur unter ärztlicher Kontrolle durchgeführt werden, da Nebenwirkungen auftreten können, die unterschätzt werden sollten.

Welche Risiken birgt eine Fastenkur für ältere Menschen?

Gerade in der Umstellungsphase auf den Hungerstoffwechsel treten unangenehme Begleiterscheinungen auf, die Ausdruck einer Überbelastung des Organismus sind: niedriger Blutdruck, Kreislaufstörungen, Schwindelgefühle, Kopfschmerzen, Übellaunigkeit und Schlafstörungen können den Senioren über Gebühr zusetzen. Experten stimmen dahingehend überein, dass vor dem Antritt einer Fastenkur in jedem Fall eine eingehende gesundheitliche Untersuchung zu erfolgen hat. Studien zufolge deckt der fastende Organismus seinen Energiebedarf nämlich nur zum ganz geringen Teil aus körpereigenem Fett und zum Großteil aus Muskelproteinen ab. Schwindende Muskelmasse stellt für ältere Menschen mit Herzproblemen ein unverhältnismäßig großes Gesundheitsrisiko dar und ist daher abzulehnen. Auch Menschen, die mit Stoffwechselerkrankungen wie Schilddrüsenproblemen oder Diabetes zu kämpfen haben, sollten auf Fastenkuren verzichten.

Entgegen den Behauptungen, Heilfasten würde Selbstheilungskräfte aktivieren, raten manche Ernährungsexperten besonders eindringlich Krebspatienten vor derartigen Fastenkuren ab. Der nach einer Chemo- oder Strahlentherapie stark in Mitleidenschaft gezogene Organismus ist hierfür denkbar ungeeignet. Er ist bereits vor der Hungerkur geschwächt, kann kaum Nährstoffe aufnehmen und weist beunruhigende Blutwerte auf. Eine Fastenkur würde gerade diese Symptome dramatisch verschlimmern, warnen sie.

Wenn sich Senioren allerdings gesundheitlich in ausgezeichneter Form befinden, steht ihren Fastenwünsche nichts im Wege. Dennoch sollten sie ihren Bedarf an Mineralstoffen und Salzen, an Spurenelementen und vor allem an Vitaminen dringend aus alternativen Quellen speisen.

Immer mit ärztlicher Kontrolle

Einerlei, welche Motivationen Senioren letztendlich mit dem Fasten verfolgen, sie sollten in jedem Fall nur unter ärztlicher Aufsicht, am besten in einer Kuranstalt oder einem Krankenhaus fasten. Immerhin kann der bewusste Verzicht auf gewisse Nahrungs- und Genussmittel sich sehr vorteilhaft auf Körper und Seele auswirken. Die Erfahrung, eine gewisse Zeitspanne der Entsagung ausgehalten und genossen zu haben, wirkt meist stark motivierend. Ein derartiges Erfolgserlebnis kann auch einen wertvollen Impuls setzen, den bisher gefrönten Lebensstil grundlegend in Frage zu stellen und womöglich die Ernährung dauerhaft umzustellen.

Zahlreiche Fastenkuren stehen zur Auswahl

Gerade für die ältere Generation ist die Vielfalt der modernen Fastenangebotspalette interessant – Saftkuren, Intervallfasten, Früchte- und Suppenfasten – die Auswahl ist groß. So verzichtet die Fastenkur nach Buchinger zwar auf feste Nahrung, liefert dem Körper allerdings ersatzweise wichtige Nährstoffe in Form von Gemüsebrühen und Obstsäften.

Besonders beliebt ist auch die F.-X.-Mayr-Kur. Im Rahmen dieser Kur gegen Depressionen und Übergewicht werden altbackene Brötchen aufwändig gekaut, um den Verdauungstrakt zu entlasten und zu regenerieren. Sie wird als milde Ableitungsdiät, als Milch-Semmel-Kur und als reine Trinkkur angeboten. Über die Art der drei bis vier Wochen dauernde Kur entscheidet ein Arzt, der eine von der Ärztekammer anerkannte berufliche Fortbildung vorweisen kann. Bei dieser Kur erfolgt nach einleitender Säuberung und Schonung des Körpers eine Schulung, welche zu einer Verhaltens- und Wahrnehmungsänderung führen soll. Die Schulung betrifft die bewusste Pflege der Tischkultur. Das Essen ist demnach ein bewusster und konzentrierter Akt. Die Speisen werden bewusst aufwändig bis zu ihrer vollständigen Verflüssigung zerkaut. Derart geschluckt, gelangen sie in Magen und Darm, die mit der Nahrungszerkleinerung nicht mehr befasst sind. Aufgrund dieser wertvollen Entlastung sind sie in der Lage, sich ihrer ursprünglichen Aufgabe, der Nährstoffaufnahme, zu widmen.

Die moderne F.-X.-Mayr-Fastenkur ist heutzutage vom Gesundheitssystem unter gewissen Umständen weitestgehend anerkannt. Immer mehr Krankenkassen zeigen sich geneigt, ihren Kunden und Patienten unter gewissen Rahmenbedingungen Kostenersatz anzubieten. Eine Nachfrage und Beratung vor Inanspruchnahme lohnt hier also in jedem Fall.