Gibt es einen Menschen, der sich nicht von Musik berühren lässt?

Musik sorgt dafür, dass wir das Tanzbein schwingen, uns glücklicher fühlen oder an vergangene Tage denken. Lieder lösen Emotionen aus und beeinflusst unsere Stimmung.

Genau deshalb kommt Musik immer wieder im Rahmen diverser Therapien zum Einsatz.

Denn Musik ist nicht nur der klassische Balsam für die geschundene Seele, sondern verbessert auch die kognitiven Fähigkeiten von an Demenz erkrankten Personen.

Schon im Zuge der 1980er Jahre begannen die ersten Forschungen auf diesem Gebiet. Zu Beginn waren es Forscher im anglo-amerikanischen Raum, die sich mit dem Thema befassten. Heute ist klar, dass die Effekte musiktherapeutischer Interventionen keinesfalls ignoriert werden dürfen. – So kommt es bei den Demenzkranken zu einem verbesserten Sozialverhalten und einer deutlichen Verbesserung der Kommunikation. Zudem ist es möglich, die positiven Emotionen zu fördern. Somit kann im Zuge der musikalischen Therapien bei den an Demenz erkrankten Menschen gleichzeitig ein verbessertes Wohlbefinden festgestellt werden.

Studie sorgte für interessante Ergebnisse

Teppo Särkämö, ein Forscher am Institut für Verhaltenswissenschaft in Helsinki, ist der Meinung, das Hören von Musik würde diverse Bereiche im Gehirn aktivieren, sodass ein breites Netzwerk von Regionen geweckt werden könnte. So würde Musik bei gesunden Menschen dafür sorgen, dass kognitive Fähigkeiten verbessert werden. Dazu gehören etwa das Arbeitsgedächtnis oder die Aufmerksamkeit. Des Weiteren weiß Särkämö, dass Musik eine ausgesprochen positive Wirkung auf das menschliche Gemüt hat. Derartige Faktoren waren es, die den Forscher dazu bewegten, an Demenz erkrankte Personen mit Musik zu therapieren.

Wenn schon bei gesunden Menschen große Veränderungen festgestellt werden konnten, wie wäre es dann bei kranken Personen?

Das Projekt wurde gemeinsam mit der „KeytoSong“-Schule, einer Musikschule, durchgeführt. 89 Personen, die an einer milden bis mittelschweren Demenz erkrankt waren, wurden auf insgesamt drei Gruppen aufgeteilt. Die erste Gruppe wurde in zehn Stunden an das Singen herangeführt, wobei die zweite Gruppe vorwiegend mit dem passiven Musikgenuss konfrontiert wurde. Die dritte Gruppe erhielt gar keine musikalische Ausbildung. Dabei ging es in den Stunden immer um Musikstücke, die die Demenzkranken an ihre Kindheit erinnern sollten; vor allem ging es um jene Stücke, die sie während ihrer Kindheit und Jugendjahre gerne gehört hatten.

Vor dem Kurs und auch nach dem Kurs wurden neuropsychiatrische Tests durchgeführt, die spannende Ergebnisse lieferten: In den ersten beiden Gruppen kam es zu einer wesentlichen Verbesserung des Gemütszustandes der Teilnehmer. Die Studie konnte eindeutig belegen, dass Musikstücke einen Einfluss auf das Gemüt des Menschen haben.

Musik kann helfen – auch Pflegekräfte sollten sich mit dem Thema Musik und Demenzkranke befassen

Fakt ist: Musik kann dabei helfen, wenn es um die Therapie von an Demenz erkrankten Personen geht. Zahlreiche weitere Studienergebnisse haben in der letzten Zeit gezeigt, dass eine solche Therapie erfolgreich sein kann. Auch wenn die Gehirnleistungen nicht rapide gesteigert werden können, ist es aufgrund der musikalischen Therapie möglich, dass sich das Wohlbefinden der Patienten verbessert. Das ist, vor allem bei schweren Formen der Demenz, ein nicht zu unterschätzender Aspekt.

Vor allem können derartige Ergebnisse den Pflegern oder Angehörigen helfen, die an Demenz erkrankte Personen pflegen. Sorgt die musikalische Untermalung für eine Verbesserung der Situation, kann auch die Pflege leichter bewerkstelligt werden. Und diese Form der Therapie ist ohne viel Aufwand und Fachkenntnisse umsetzbar. Schon das regelmäßige Vorspielen von vertrauten Musikstücken aus vergangenen Tagen kann bewirken, dass die aktuelle Situation des an Demenz erkrankten Menschen verbessert wird.