Bei Jugendlichen spielt die Drogenprävention eine große Rolle. Junge Menschen werden in der Schule, im Sportverein, im Fernsehen und sogar im Kino vor den Gefahren eines Drogenmissbrauchs gewarnt. Der Drogenkonsum, insbesondere der Medikamentenmissbrauch, unter Senioren wird dagegen immer noch tabuisiert. Oft wird das Problem gar nicht ernst genommen. Dabei sind die Zahlen bedenklich.

Die Bundesregierung schätzt, dass bis zu 13 Prozent der Personen über 65 Jahre Medikamente missbrauchen oder sogar von ihnen abhängig sind. Dieser Personenkreis macht nur etwa ein Sechstel der Gesamtbevölkerung aus, ihm wird aber fast die Hälfte aller verschriebenen Beruhigungs- und Schlafmittel verordnet.

Wann beginnt die Medikamentensucht?

Medikamentensucht im Alter - TablettenDa viele ältere Menschen tatsächlich Medikamente benötigen, ist der Übergang von der therapeutischen Einnahme zum Missbrauch bis hin zur Sucht oft fließend und fällt erst sehr spät auf. Hinzu kommt häufig ein viel zu hoher Alkoholkonsum. Alkoholabhängigkeit tritt unter Seniorinnen und Senioren zwar seltener auf als in den jüngeren Generationen, laut einem Bericht der Apothekerzeitung kann dennoch ein bedenkliches Trinkverhalten beobachtet werden.

So konsumieren fast 20 Prozent aller Personen über 70 Jahren wenigstens vier Mal pro Woche Alkohol. Das wäre gar nicht so schlimm, wenn es bei diesen Gelegenheiten bei einem Gläschen Sekt oder einem Glas Wein bleiben würde. Meist werden aber deutlich höhere Mengen und Hochprozentiges getrunken, was gerade in Verbindung mit einem gesteigerten Medikamentenverbrauch eine enorme Belastung für den Magen und die Leber darstellt und ein gesundes Altern erschwert.

Was sind die Ursachen und welche Medikamente sind besonders gefährlich?

Zahlreiche Stoffe, die Senioren verordnet werden, haben ein beträchtliches Suchtpotential. Von Medikamentensucht wird gesprochen, wenn der Patient körperlich und/oder psychisch abhängig ist.

Körperliche Abhängigkeit macht sich vor allem dann bemerkbar, wenn dem Betroffenen der Suchtstoff entzogen wird. Dann kommt es zu typischen Symptomen wie Unruhe, Zittern oder aggressivem Verhalten. Bei psychischer Abhängigkeit steigert die Droge das emotionale Wohlbefinden des Betroffenen. Oft wird mit Hilfe der konsumierten Substanz ein Gefühl von Freude, Glück und Sorglosigkeit erzeugt. Der Süchtige wird jedoch mittelfristig immer desinteressierter und verarmt sozial.

Medikamentensucht vs. Medikamentenmissbrauch

Ein Medikamentenmissbrauch liegt vor, wenn der Patient zwar nicht abhängig ist, bestimmte Substanzen aber nicht aus medizinischen Gründen, sondern zur Steigerung des geistigen oder körperlichen Wohlbefindens eingenommen werden.

Der Auslöser für eine Medikamentenabhängigkeit ist sehr häufig auf eine Falschanwendung zurückzuführen. Medikamente werden Senioren oft zu lange oder in zu hohen Dosen verordnet. Darüber hinaus werden psychische Faktoren meist völlig außer Acht gelassen. Dabei werden Medikamente in vielen Fällen nur deshalb erforderlich, weil Senioren aufgrund zunehmender Vereinsamung psychosomatische Leiden entwickeln. Dennoch wird älteren Menschen nur selten eine Psychotherapie empfohlen und stattdessen lieber ein Beruhigungsmittel verordnet.

Schlaf- und Beruhigungsmittel, insbesondere Benzodiazepine und Benzodiazepinrezeptoragonisten, führen bei Senioren am häufigsten zur Abhängigkeit oder zum Missbrauch. Bei kurzzeitiger Einnahme sorgen diese Stoffe für eine starke Stimmungsaufhellung. Den Senioren wird chemisch eine rosarote Brille aufgesetzt. Das kann vorübergehend durchaus entlastend sein. Bei einer Langzeiteinnahme überwiegen jedoch die negativen Effekte. Insbesondere kann es zu Wahrnehmungsstörungen, Angst, Schlaflosigkeit und anderen psychotischen Symptomen kommen.

Was können die Angehörigen tun?

Genau wie bei Jugendlichen sollten sich die Angehörigen des Risikos der Medikamentensucht bewusst sein, auf Symptome achten und präventive Maßnahmen ergreifen. Nichts schützt besser vor einem Drogenproblem im Alter, als ein ausgefülltes Leben. Senioren, die einen Freundeskreis und Hobbys pflegen und regelmäßig aus dem Haus oder der Pflegeeinrichtung kommen, sind sehr viel weniger anfällig als ältere Menschen, die zunehmend vereinsamen.

Senioren sollten darin ermuntert werden, etwas Neues zu lernen. Warum nicht den Führerschein nachholen, wenn dies körperlich noch möglich ist? Es gibt auch keinen Grund, warum Menschen mit über 70 Jahren nicht noch ein Instrument oder ein Sprache erlernen sollten. Der Besuch von Musik- und Tanzveranstaltungen wirkt sich positiv auf die Psyche aus. Auch die Fürsorge für ein Haustier gibt älteren Menschen wieder einen Sinn im Leben. – Es gibt also viele Faktoren, die dazu beitragen können, dass Senioren ihr Leben als interessant und sinnstiftend empfinden und nicht Gefahr laufen von Medikamenten abhängig zu werden.