Demenz als unheilbare, fortschreitende Krankheit schleicht sich meist unbemerkt in das Leben der Patienten ein. Vor allem das Frühstadium der Erkrankung gleicht den allgemeinen Erscheinungen des Älterwerdens zum Verwechseln. Erschwerend wirkt außerdem, dass viele Erkrankte große Energien auf die Verschleierung ihres Zustandes verwenden. Demenz ist behandelbar, doch sollte die Therapie so früh wie möglich einsetzen, um den Krankheitsverlauf erfolgreich zu verzögern.

Therapieformen für Menschen mit Demenz

Wenn Gedächtnis und Belastbarkeit nachlassen, die Konzentrationsfähigkeit auch nicht mehr ist, was sie einmal war, können biografische, nicht-medikamentöse Therapieansätze Wunder wirken. Die Verzögerung der unumkehrbaren Veränderungen im Gehirn gelingt sehr gut mit kunst- oder musiktherapeutischen Ansätzen, da diese zugleich mehrere Sinne ansprechen. Selbiges gilt in besonderem Maße für Gartentherapien oder tiergestützte PET-Therapien, die sich im Angebot vieler, von auf Demenzhilfe spezialisierten Dienstleistern finden.

Ausschlaggebend ist dabei das Wissen um die Interessen, die Fähigkeiten und Vorlieben der Patienten. Gedächtnistraining, Realitätsorientierung und Ergotherapie, aber auch Krankengymnastik kann allen Senioren mit Demenz-Diagnose von großem Nutzen sein. Wichtig ist, den immer stärker rückwärts gerichteten Blick der Patienten auf die noch verbliebenen Möglichkeiten zu richten.

Der Pflegebedarf bei Demenz wächst mit dem Fortschreiten der Krankheit

In dem Stadium der leichten Demenz ist der Pflegebedarf an sich vergleichsweise gering. Wichtig ist, den Senioren Sicherheit mit Hilfe von Ordnung und Strukturen im Tagesablauf zu vermitteln. Die Betroffenen können und sollen in ihr soziales Netz eingebunden werden und in ihrem vertrauten Umfeld bleiben. In dieser Phase ist es wichtig, die Betroffenen nicht alleine zu lassen, denn die Aussicht das eigene Wesen und seinen Geist zu verlieren, ist beängstigend genug.

Selbsthilfe- oder Betroffenengruppen bieten Erfahrungsaustausch und geben Rückhalt. Beratung und organisatorische Unterstützung sind in dieser Phase wichtiger als etwaiger Pflegebedarf. Jetzt ist eher der Zeitpunkt wichtige Vorkehrungen zu treffen, die spätere Vormundschaft, aber auch Patienten- und Versorgungsverfügungen festzulegen. Familie und Angehörige müssen die vorhandenen Kapazitäten offen, ohne Vorbehalte besprechen, um den späteren, externen Pflegebedarf abschätzen zu können. Welche Leistungen kann und will die Familie erbringen und wo benötigt sie ambulante, professionelle Hilfe?

Gestaltung der täglichen Pflege

Grundsätzlich ist es Menschen mit Demenzerkrankung möglich auch weiterhin in den eigenen vier Wänden zu leben, doch ist die Herausforderung für die Angehörigen beträchtlich. So ist in jedem Fall auf eine abgesicherte Umgebungsgestaltung zu sorgen, die das Gefahrenpotential, sich und andere zu gefährden, minimiert. Zu bedenken ist außerdem, dass viele der erkrankten Senioren aus einem dominanten Unruhegefühl heraus enormen Bewegungsdrang entwickeln. Pflegende haben verstärkt mit dem nächtlichen Herumwandern ihrer Schützlinge zu rechnen. Alternativ wird daher nach einer passenden Pflegeeinrichtung wie einer Tagesstätte oder einer betreuten Wohnform zu suchen sein. Mobile Dienste ermöglichen mit Hauskrankenpflege und Heimhilfe das Leben im eigenen Heim. Ganztägig berufstätigen Familienmitgliedern wird vielleicht eher eine Tagesbetreuungseinrichtung zusagen. Zugleich eröffnen sich die Fragen der Finanzierung des ausgewählten Betreuungs- oder Pflegeangebots. Die Senioren sollten spätestens jetzt ihre Entscheidungen hinsichtlich des Nachlasses und etwaiger Vollmachten beglaubigt zu Papier bringen.

Im mittleren Stadium der Demenzerkrankung sind regelmäßige Pflege und Unterstützung der betroffenen Menschen unerlässlich.

Das Frühstadium geht ins mittlere Demenzstadium über, wenn eine selbständige Lebensführung zunehmend schwieriger wird. Die täglichen Aufgaben wie regelmäßige, gesunde Ernährung, ausreichende Flüssigkeitsaufnahme, aber auch der Umgang mit Geld gelingen nicht mehr. Die körperliche Hygiene und das Sauberhalten der Wohnung geraten zunehmend aus dem Blickfeld der Patienten. Der Pflege- und Aufsichtsbedarf nimmt zu und nimmt die Angehörigen physisch immer stärker in Anspruch. In dieser Phase schwindet die Einsicht der Patienten in ihre Erkrankung massiv. Viele vergessen ihr Alter, wollen wieder zur Arbeit gehen, erkennen ihre Freunde, oft auch Lebenspartner nicht mehr. All diese Umstände und die zunehmende Entfremdung erhöhen schließlich auch die psychischen Belastungen für die Angehörigen.

In diesem Stadium der Erkrankung nehmen auch körperliche Einschränkungen zu. So kann die Kontrolle der Harnblase zunehmend Schwierigkeiten hervorrufen und besonderer Maßnahmen bedürfen. Ebenso fordern gehäuft Wahnvorstellungen und Sinnestäuschungen entsprechende Reaktionen des betreuenden Umfelds ein. Die Pflegenden haben verstärkt mit Problemen zu rechnen, welche  das mitunter sehr enthemmte Verhalten der Patienten hervorrufen kann. Der gesteigerte Sprachverlust erschwert die Kommunikation, der geistige Abbau beschleunigt sich.

Im späten Demenz-Stadium kommen die Patienten nicht mehr ohne fremde Hilfe im Alltag zurecht. Die physische Schwächung manifestiert sich in Infektionen, die in Form einer Lungenentzündung am häufigsten für den Tod der Demenz-Patienten verantwortlich zeichnet. Erschwerend wirkt, dass die Patienten ihre eigenen Körpersignale nicht mehr ausreichend wahrnehmen können. Schmerz, Gemütszustand, Atem- oder Kreislaufprobleme können nur noch durch aufmerksame Beobachtung der Pflegenden interpretiert werden. In der Endphase der Krankheit ist der palliative Pflegeaufwand vordergründig. Die physischen und psychischen Anforderungen an die Pflegenden sind in dieser letzten Phase enorm.