Der Pflegekräftemangel ist ein Dauerthema in der öffentlichen Debatte und kann anhand von Kennzahlen eindeutig festgemacht werden. Dabei lohnt sich eine Betrachtung der ausschlaggebenden Faktoren, die zu dem Missverhältnis von immer mehr pflegebedürftigen Menschen und zu wenigen Pflegekräften, das beim Erhalt des „Status Quo“ in wenigen Jahren umso ausgeprägter sein wird, führen.

Da sind zum einen alle Menschen, die in das System der Pflegeversicherung einzahlen. Dazu kommen jene Menschen, die die Leistungen wirklich im Laufe ihres Lebens in Anspruch nehmen. Auf der anderen Seite stehen die Pflegekräfte und die Kassen, die die Leistungen bezahlen. Diese Akteure zusammen wurden über Jahre statistisch erfasst und lassen eine Prognose bezüglich der zukünftigen Entwicklung in Deutschland zu. Das Problem des zu erwartenden Pflegekräftemangels ist mindestens erkannt – alles Weitere ist eine Frage der richtigen politischen Weichenstellungen.

Die Zahlen im Überblick – Was das Pflegeversicherungssystem leistet

Die folgenden Zahlen geben jeweils den Stand von Ende 2015 oder Ende 2016 wieder. Es zahlten circa 81 Mio. Menschen in das Versicherungssystem ein, circa 9,36 Mio. Menschen sind davon privat versichert. Konkrete Leistungen bezogen haben indes 2,93 Mio. Menschen.

Interessant sind in diesem Zusammenhang mehrere Sachlagen: Zum einen werden Privatversicherte häufiger in die Pflegestufen II und III eingestuft als Sozialversicherte. Im Jahr 2015 waren bei den Privatversicherten 9,3 Prozent der Pflegestufe III in ambulanten Pflegefällen gegenüber 8,1 Prozent bei den Sozialversicherten zugeteilt. In der stationären Pflege waren es 22,8 Prozent gegenüber 19,7 Prozent. Die Pflegestufe II traf im selben Zeitraum in ambulanten/stationären Rahmen auf 41,6/31,1 Prozent der privatversicherten Personen bzw. auf 37,4/27,7 Prozent der sozialversicherten Personen zu.

Zum anderen gibt es einen seit Jahren einen steigenden Anteil von Menschen, die Pflegeleistungen in Anspruch nehmen. So bezogen 2002 noch 1,89 Mio. Menschen Leistungen aus der sozialen Pflegeversicherung. 2016 waren es bereits 2,75 Mio. Menschen. Dies entspricht einer Steigerung von circa 45 Prozent.

Im selben Zeitraum haben sich die sogenannten liquiden Mittel – also die zur Verfügung stehenden Gelder der sozialen Versicherungen – beinahe verdoppelt und die Rücklagen der Kassen stiegen ebenfalls um mehr als 65 Prozent. Entsprechend klafft zumindest keine finanzielle Lücke im derzeitigen System.

Gleichzeitig erleben wir einen Zuwachs von Pflegekräften. Allein von 1999 bis 2015 wuchs der Anteil der Beschäftigten in Pflegeeinrichtungen um circa 70 Prozent an, von 625 Tsd. auf 1,09 Mio. Daraus ergibt sich ein Pflegeschlüssel von 1 zu 3, also eine Pflegekraft für drei zu Pflegenden. Allerdings sind bei diesen Zahlen die pflegenden Angehörigen, mobilen Pflegekräfte, usw. nicht erfasst.

Der demographische Trend

Die Kassen bilden Rücklagen und der Anteil der Beschäftigten in der Pflegebranche ist gestiegen. Man könnte meinen, dass dies doch genügen müsste, doch das Gegenteil ist der Fall.

Pflegeversicherungssysteme werden durch Steuerzahler finanziert, was direkt mit der Dauer der Einzahlung korreliert. Junge Menschen zahlen länger in das System ein und sind somit zum Erhalt besonders relevant. Doch zeigt die allgemeine Bevölkerungsentwicklung, dass es immer mehr ältere Menschen im Verhältnis zu den Jüngeren gibt. Das statistische Bundesamt hat zudem errechnet, dass das Risiko der Pflegebedürftigkeit bei einem Alter über 80 auf bis 31,7 Prozent steigt. Ab dem 60. Lebensjahr liegt es immerhin bei 9,7 Prozent.

Wir befinden uns in einer Phase der Überalterung: Während wir einen Geburtenrückgang verzeichnen, steigt der Anteil älterer Menschen stetig an. 2013 gab es 4,4 Mio. Menschen über 80 Jahre. 2030 werden es bereits 6,2 Mio. und 2060 an die 9 Mio. Menschen sein. Bezüglich der sozialen Pflegeversicherung wird weiterhin von einer knappen Verdopplung der Leistungsempfänger bis zum Jahre 2060 ausgegangen. Binnen 20 Jahren soll der Anteil der Pflegebedürftigen bereits um 50 Prozent zunehmen. Gleichzeitig reduziert sich der Anteil der Einzahler um knapp 10 Prozent durch den Verlust lang arbeitender Menschen und eine Reduzierung der Gesamtbevölkerung in Deutschland. Weiterhin ist diesem Zusammenhang zu beachten, dass es in Deutschland überalterte Gebiete gibt, in denen der Anteil Pflegebedürftiger überproportional ansteigt.

Schon jetzt gibt es in der Pflege bis zu 100.000 offene Stellen und der Bedarf an geeigneten Pflegekräften wird stetig steigen. Es handelt sich also um ein Problem, das es schon heute, aber auch noch in den nächsten Jahren, zu lösen gilt.