Für viele Familien mit pflegebedürftigen Senioren ist es ein wahrer Segen: Im Rahmen der seit dem 1. Januar 2014 geltenden Arbeitnehmerfreizügigkeit für die osteuropäischen EU-Beitrittsländer (Ausnahme: Kroatien) dürfen Pflegekräfte legal entweder selbst angestellt oder durch eine Agentur vermittelt werden. Dies ist ein enormer Fortschritt, da solche Hilfen oft die einzig bezahlbare Alternative sind, wenn man ein Pflegeheim vermeiden will. Auf diese Weise wurden viele Familien und Pflegekräfte aus der Illegalität geholt.

Im Folgenden erfahren Sie Wichtiges über die versicherungsrechtlichen Vorgaben, welche bei der Beschäftigung einer osteuropäischen Pflegekraft zu berücksichtigen sind.

Sie selbst als Arbeitgeber: Beachtenswertes, wenn Sie eine osteuropäische Pflegekraft anstellen

Wenn Sie selbst eine osteuropäische Pflegekraft anstellen, werden Sie automatisch zum Arbeitgeber. Somit sind Sie verantwortlich für die Kranken-, Unfall- und Pflegeversicherung und müssen Sozialversicherungsbeiträge bezahlen. Außerdem hat die Pflegekraft Anspruch auf Freistellung im Krankheitsfall sowie Urlaubsanspruch. Um als Arbeitgeber fungieren zu können, brauchen Sie von der Bundesagentur für Arbeit eine Betriebsnummer („Arbeitgeber-Service-Hotline“ Telefon: 0800 4 555 20 oder E-Mail: betriebsnummernservice@arbeitsagentur.de).

Die Pflegekräfte, welche Sie engagieren, arbeiten als Selbstständige. Hierbei ist darauf zu achten, dass es sich um keine Scheinselbstständigkeit handelt, sondern die Pflegerin auch für andere Arbeitgeber tätig ist.

Sich eine osteuropäische Pflegekraft über eine seriöse Agentur vermitteln lassen

Die zweite und einfachere Möglichkeit besteht darin, sich eine osteuropäische Pflegekraft über eine Agentur vermitteln zu lassen. In diesem Falle ist die Agentur Ihr Vertragspartner. Diese ist wiederum der Arbeitgeber der Pflegekraft und kümmert sich um alle sozialversicherungsrechtlichen Aspekte. Sie selbst bleiben davon unberührt.

Der Agentur als Arbeitgeber obliegt auch die Organisation einer Vertretung im Krankheits- oder Urlaubsfall. Sollten Sie mit Ihrer Pflegekraft aus irgendeinem Grund nicht zufrieden sein, ist die Agentur Ihr Ansprechpartner und kann einen Wechsel der Pflegekraft veranlassen. Sind Sie jedoch einen Vertrag mit einer selbstständigen Hilfskraft eingegangen, ist dieser nicht unbedingt sofort kündbar.

Unabdingbar: Der Sozialversicherungsnachweis

Wenn Sie eine Pflegekraft aus Osteuropa über eine Vermittlungsagentur engagieren, spricht man von einer sog. Entsendung: Entweder die Agentur vermittelt direkt Hilfen oder aber sie unterhält eine Kooperation mit einem osteuropäischen Unternehmen und schließt mit diesem einen Dienstleistungsvertrag ab.

Der Bundesverband Europäischer Betreuungs- und Pflegekräfte (BEBP e.V.) verweist hierbei auf rechtliche Risiken. Denn sollte die Pflegekraft in ihrem Heimatland nicht sozialversichert sein, ist dies illegal und kann Senioren und Angehörige in juristische und finanzielle Schwierigkeiten bringen. Die Empfehlung lautet deswegen, nach der sog. A1-Bescheinigung zu fragen. Bei dieser handelt es sich um die Bestätigung, dass die Pflegekraft im Heimatland ordnungsgemäß sozialversichert ist. Lassen Sie sich die Bescheinigung im Original vorlegen. Andernfalls kann es passieren, dass Sie rechtlich gesehen selbst zum Arbeitgeber werden und sämtliche Sozialversicherungsabgaben nachzahlen müssen.

Die Krankenversicherung osteuropäischer Pflegekräfte

Die meisten osteuropäischen Pflegekräfte halten sich nur zwei bis drei Monate in Deutschland auf und kehren dann in ihr Heimatland zurück. Dies bedeutet, dass das Heimatland der erste Wohnsitz bleibt und die Hilfen dort krankenversichert sind. In diesem Falle sind in Deutschland lediglich die Sozialabgaben zu entrichten.

Allerdings braucht Ihre Pflegekraft eine „Blaue Versicherungskarte“ (EKVK). Diese stellt den Versicherungsnachweis dar und wird im Heimatland ausgestellt. Ist diese nicht vorhanden, besteht die Möglichkeit, bei bestimmten Versicherern, welche sich auf sog. Saisonarbeiter spezialisiert haben, eine Krankenversicherung abzuschließen. Solche Versicherungen bieten zum Beispiel die HanseMerkur Versicherungsgruppe. Es handelt sich hierbei um private Krankenversicherungen. Natürlich ist dies lediglich relevant, wenn Sie eine Pflegekraft selbst anstellen.

Pflegekräfte aus Polen: weitere Informationen für Verbraucher

Da sich im Bereich der Vermittlung von osteuropäischen Pflegekräften, insbesondere aus Polen, zahlreiche schwarze Schafe auf dem Markt tummeln, raten Experten dazu, neben dem originalen Nachweis der A1-Bescheinigung auch darauf zu achten, wer der eigentliche Vertragspartner ist, wenn Sie eine Pflegekraft engagieren: Ist es die deutsche Vermittlungsagentur, das polnische Unternehmen oder die Pflegekraft selbst?

Wer Fragen speziell zum Thema Pflegekräfte aus Polen hat, kann sich auch an das Deutsch-Polnische Verbraucherinformationszentrum in Frankfurt/Oder wenden (Telefon: 0335 500 80 650, E-Mail: konsument@vzb.de).