Personalmangel und Zeitdruck prägen seit Jahren das deutsche Gesundheitswesen. Dazu kommt die Angst von Krankenschwestern und Krankenpflegern wegen der belastenden Arbeitsbedingungen Fehler zu begehen, die für einen Patienten lebensgefährlich enden könnten. Und auch der kranke Mensch selbst merkt, dass dem Krankenhauspersonal immer weniger Zeit für Menschlichkeit bleibt. Während die Politik nach dem richtigen Personalschlüssel sucht, schreitet die Technologie im digitalen Zeitalter bahnbrechend voran. Schlaue Köpfe und innovative Wissenschaftler präsentieren auf diversen Messen die Lösung, welche Entlastung und mehr verspricht: den Pflege-Roboter.

Humaniode Helfer sind keine Science Fiction mehr

Roboter, die mit Menschen interagieren, gibt es nicht erst seit gestern. Vorreiter auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz sind die japanischen Wissenschaftler und Entwickler. Auch in China ist die Vorführung von humanoiden Prototypen längst die Regel geworden. Bald gibt es auch in Deutschland eine elektronische Hilfe, die mit wachsamen Augen und schnellen Rädern das unterbesetzte Pflegepersonal unterstützen soll. Was Hollywoods Filmemacher WALL·E nannten, heißt in Deutschland Pepper.

Der kleine Roboter soll mit seinen 1,20 Meter aber keine ausgebildete Pflegekraft ersetzen. Er hebt Patienten nicht ins Bett und legt auch keine Infusionen. Auch ist der hilfsbereite Roboter nicht als Laufbursche oder Putzhilfe gedacht. Der Pfleger kann in dieser Hinsicht auch nicht von einer helfenden Hand sprechen, da dieser Roboter „nur“ bei Gesten vermitteln soll.

Unterschätzen darf der Mensch den Wert von Gesten jedoch nicht. Sie sind ein essentieller Bestandteil menschlicher nonverbaler Kommunikation.

Eine Interaktion mit Menschen ist deshalb auf dieser Basis möglich. – Pepper kann aber noch sehr viel mehr Dinge: dazu gehören das Verstehen einfacher Sätze, das Wiedergeben von menschlicher Sprache und das Erkennen und Merken von Gesichtern. Doch was genau soll das in der Pflege nützen?

Pepper unterstützt und erklärt

Der kleine Helfer kann auf diesem Weg mit Menschen in Interaktion treten. Zudem fungiert Pepper als technisches Hilfsmittel. Nicht der Pfleger erklärt dem Patienten, was ihn beim MRT erwartet, sondern der Roboter. Er bereitet den Menschen auf die Untersuchung vor und erklärt die Untersuchungsschritte im Detail. Die Interaktion mit einer menschlichen Person ist auch in einer Reha-Klinik vorstellbar. Hier kann das maschinelle Objekt mit den beweglichen Armen und Händen bei der Physiotherapie unterstützend mitwirken, indem es den Patienten zu Bewegungsabläufen animiert.

In Japan wird Pepper bereits eingesetzt. Ältere Menschen in Altersheimen sitzen auf Stühlen in einem Kreis und lassen sich von dem knuffig aussehenden Roboter zu unterschiedlichen Gymnastikübungen motivieren.

Roboter als schlaue Kommunikations- und Bewegungshilfen

Der Fortschritt der Technik geht sogar noch weiter. Menschlich agierende Roboter nehmen Einzug in den Kreis der Menschen überall auf der Welt. Sie heißen Jia Jia, Eden oder Justin. Während Jia Jia eine humanoide Roboterdame mit allen Körpergliedern ist, besteht Eden nur aus einem Arm und Justin aus einem Brustkorb und immerhin zwei Armen.

Die menschlich anmutende Roboterfrau kann Konversation führen, vorlesen, auf Mimik reagieren und sich bewegen. Eden und Justin dagegen helfen tatsächlich Menschen, die in der Bewegungsfreiheit eingeschränkt sind und Medikamente physisch nicht ergreifen können. Die beiden Bewegungshilfen sind am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) entwickelt worden und sollen in Pflegeheimen eingesetzt werden.

Sogar tierische Roboter kommen in verschiedenen Ländern zum Einsatz. Denn jeder Mensch braucht tatsächliche Zuneigung oder zumindest das Gefühl davon. Modelle wie die flauschige Robbe PARO oder der lustige AIBO-Roboterhund sorgen dafür, dass sich alte Menschen weniger einsam fühlen. Eine Aufgabe, die die Robotertiere bestens meistern, während sie vom Pflegepersonal längst nicht mehr erfüllt werden kann.

Kann ein Roboter die menschliche Zuwendung ersetzen?

Etwa drei Millionen Menschen brauchen eine stationäre oder ambulante Pflege. Es steht in den Sternen, ob die Zahl in Zukunft ansteigen wird. Sicher ist, dass eine schnelle Lösung für den zunehmenden Personalmangel herbeigeführt werden muss. Diese kann auch in der rasanten Roboterentwicklung liegen. Als unterstützende Hilfen konnten sich Roboter bereits beweisen. Zumindest können sie als eine heitere Ablenkung dienen, wenn die Einsamkeit kommt. Ob sie aber wirklichen Trost und Zuneigung spenden können, bleibt fraglich. Denn Menschen brauchen Menschen.