Stürze müssen nicht immer eine schwere Verletzung nach sich ziehen. Kinder stürzen beispielsweise häufig, ohne sich gravierende Verletzungen wie Knochenbrüche, schwere Abschürfungen oder Verstauchungen zuzuziehen. Stürzen allerdings Senioren bzw. Menschen in fortgeschrittenem Alter, so sind sehr oft schwere Verletzungen die Folge. Vor allem bei alleinlebenden Personen zeigen Statistiken, dass das Risiko eines Sturzes hoch ist:

  • Jede dritte Person über 65 Jahre stürzt einmal pro Jahr.
  • Jede zweite Person über 80 Jahre stürzt einmal pro Jahr.
  • Das Sturzrisiko bei Frauen ist doppelt so hoch, wie bei Männern.
  • Ein Sturz erhöht das Risiko eines weiteren Sturzes innerhalb eines Jahres um das Zwei- bis Dreifache.
  • Bei Personen über 65 Jahren zählen Stürze und ihre Folgen zu den Haupttodesursachen.

Die größten Risikofaktoren für Stürze

Risikofaktoren für Stürze lassen sich in „innere“ (intrinsische) und „äußere“ (extrinsische) Faktoren aufgliedern. Die wichtigsten intrinsischen Faktoren sind z. B. ein höheres Alter, bereits erlittene Stürze, das weibliche Geschlecht, die tägliche Einnahme von mehr als vier Medikamenten, bestimmte Erkrankungen (z. B. Inkontinenz, Herz-Kreislauf-Beschwerden, Gelenkverschleiß), Beeinträchtigungen der kognitiven Fähigkeiten sowie Mangelernährung und Augenerkrankungen.

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Zu den auffälligsten extrinsischen Faktoren zählen die Wohnverhältnisse, die Kleidung, das Schuhwerk und im Alltag genutzte Hilfsmittel. Ein hohes Sturzrisiko besteht durch Türschwellen, dicke Teppiche, unzureichendes Licht, hohe Absätze an den Schuhen sowie falsch justierte Rollatoren oder Gehstöcke. All diese Faktoren können einen Sturz begünstigen oder sogar auslösen.

Folgen nach einem Sturz

Stürze haben immer körperliche und psychische Folgen, selbst dann, wenn ein Sturz ohne große Verletzungen überstanden wird. Auch ein harmloser Sturz ohne Folgen hat Auswirkungen auf den Menschen. Zu den Folgen können eine stark ausgeprägte Sturzangst, der Rückzug aus dem sozialen Leben, eine Reduzierung der alltäglichen Aktivitäten und dadurch das Auftreten von Muskelschwund gehören. All das führt letztlich zu einem Verlust der Unabhängigkeit sowie zu einer verkürzten Lebenserwartung.

Leider sprechen betroffene Senioren nicht gerne über das Thema, da sie einen Kontrollverlust eingestehen müssten. Dennoch ist es unbedingt notwendig, das Thema ganz bewusst anzusprechen und Maßnahmen zu ergreifen, die die Sturzangst bei den Betroffenen zumindest reduzieren.

Können die Folgen bereits bei einem harmlosen Sturz ohne Verletzungen gravierend sein, so stellen sie sich beispielsweise bei einem Knochenbruch noch sehr viel einschneidender dar. Statistiken zeigen, dass sich die Hälfte aller Sturzopfer nicht mehr zu 100 Prozent erholen und immerhin 20 Prozent überleben maximal sechs Monate.

Tatsächlich sind bei 95 Prozent aller Hüftfrakturen erlittene Stürze die Ursache. Bekanntermaßen heilen gerade solche Brüche in fortgeschrittenem Alter nicht mehr so leicht wie in jungen Jahren. Bedenkt man zudem, dass eine Fraktur meist mit einer längeren Phase des Liegens verbunden ist, in der sich Lungenentzündungen, Thrombosen oder andere schwerwiegende Folgeerkrankungen entwickeln können, erklärt sich die höhere Sterblichkeitsrate.

Maßnahmen gegen Sturzangst bei Senioren

Damit sich ein Betroffener nach einem erlittenen Sturz nicht vollkommen seinen Ängsten vor neuen Stürzen ergibt, sollte vor allem mit dem gegengesteuert werden, was die Angst verursacht, nämlich Bewegung. Nicht selten schränken ältere Sturzopfer ihre täglichen Aktivitäten entweder sehr stark ein oder unternehmen gar nichts mehr.

Ein erster Schritt sollte sein, das Thema ganz offen zu besprechen. Auf diese Weise wird die Sturzangst bereits gelindert. Als nächste Maßnahme ist es sinnvoll, das Wohnumfeld in Augenschein zu nehmen, während einer Begehung auf mögliche „Stolperfallen“ hinzuweisen und Vorschläge für deren unkomplizierte Beseitigung zu machen. Außerdem kann ein Balance- und Krafttraining zu mehr Sicherheit bei der Bewältigung der täglichen Aufgaben führen. Ein solches Training in der Gruppe wirkt sich nicht nur auf die Mobilität aus, sondern es stärkt zudem das Selbstbewusstsein. Schon dadurch kann die Angst vor Stürzen verringert werden. Immer mehr Kranken- und Pflegeversicherungen übernehmen inzwischen die Kosten für eine Teilnahme an Projekten zur Sturzprävention.