Im Zuge von Demenzerkrankungen kann es zu tiefgreifenden Veränderungen der Persönlichkeit kommen. Diese Symptome sind für die Angehörigen oft nur schwer zu ertragen. Ein eigentlich liebevoller Mensch kann aufgrund der Erkrankung aggressiv werden und sich gegen seine Mitmenschen richten. Auch wenn es menschlich ist, darauf womöglich auch gereizt oder sogar aggressiv zu regieren – es wird der Situation des kranken Menschen nicht gerecht. Mit derartigen Aggressionen sollte in jedem Falle professionell umgegangen werden. Hierfür ist der richtige Umgang mit dem Betroffenen wichtig.

Häufig tritt das aggressive Verhalten vollkommen unerwartet auf. Der Betroffene reagiert übertrieben auf Kleinigkeiten und greift seine Mitmenschen körperlich oder verbal an. Dieses Verhalten ist für die Pflegenden und Mitbewohner in aller Regel schwer nachzuvollziehen. Sie sollten sich jedoch darüber bewusst sein, dass die kranke Person sich nicht absichtlich gegen Sie richtet.

Aggressionen bei Demenzkranken sind häufig die Folge starker Überforderung. Ist sich der Demenzkranke seiner Krankheit noch bewusst, ist es für ihn oftmals sehr schwer, die Folgen der Erkrankung zu akzeptieren. Den Alltag plötzlich nicht mehr alleine bewältigen und nahe Angehörige nicht mehr korrekt einordnen zu können, ist nur schwer zu verkraften. Die Wut auf sich selbst über die zunehmenden Schwierigkeiten im Alltag kann sich dann leicht auf die Pflegenden entladen.

Im weiteren Verlauf der Erkrankung wissen die Betroffenen häufig nicht mehr, wie sie sich angemessen verhalten. Das Verständnis für alltägliche Abläufe schwindet immer mehr, was zu übermäßiger Überforderung führen kann, die sich häufig in Form von Aggression äußert.

Der Umgang mit der Aggression Demenzkranker

  • Lassen Sie die betroffene Person aussprechen. Unterbrechen Sie sie nicht. Versuchen Sie, die Situation zu verstehen.
  • Sprechen Sie in einem ruhigen Tonfall. Werden Sie nicht aufbrausend.
  • Schützen Sie sich selbst und fordern notfalls Hilfe an.
  • Verlassen Sie den Raum, wenn die Person körperlich gewalttätig wird und sich nicht zu beruhigen scheint.
  • Ignorieren Sie die Aggression nicht.
  • Versuchen Sie nicht, die Person von Ihrer Meinung zu überzeugen oder „zur Vernunft zu bringen“.
  • Provozieren Sie den Betroffenen nicht. Machen Sie sich nicht über ihn lustig. Nehmen Sie ihn ernst.
  • Zeigen Sie keine Angst.
  • Schüchtern Sie den Betroffenen nicht ein. Versuchen Sie nicht, ihn festzuhalten.

Nachdem die Situation sich beruhigt hat, sollten Sie den Betroffenen mit einer Tätigkeit ablenken, die ihm normalerweise Freude bereitet. Wichtig sind nach solchen Vorfällen folgende Dinge:

  • Bestrafen Sie den Betroffenen nicht.
  • Ignorieren Sie ihn nicht.
  • Verweigern Sie ihm keine angenehmen Dinge, auf die er sich freut.
  • Verhalten Sie sich ihm gegenüber normal.

Darüber hinaus ist es wichtig, dass Sie sich schnellstmöglich beruhigen und wieder „normal“ verhalten. Sollten Sie mit der Situation überfordert sein, ist es sinnvoll, professionelle Hilfe aufzusuchen.

Aggression vermeiden

Um zukünftige Aggressionen zu vermeiden, bietet es sich an, die kritische Situation mit etwas Abstand zu analysieren.

  • Warum ist der Demenzkranke aggressiv geworden?
  • Hat er sich überfordert gefühlt?
  • Wollte er etwas mitteilen?
  • Wurde er kritisiert?
  • War er durch neue Eindrücke verwirrt? Hatte er Angst? Wurde er erschreckt? Hatte er Halluzinationen?

Achten Sie darauf, möglichst angenehme, ruhige Situationen zu schaffen, die der Demenzkranke als vertraut empfindet. Vermeiden Sie Situationen, die Angst oder Verwirrung auslösen. Versuchen Sie, die Gefühle, Wünsche und Bedürfnisse des Betroffenen wahrzunehmen und nach Möglichkeit zu erfüllen. So lässt sich aggressives Verhalten zumeist vermeiden oder zumindest reduzieren. Wenn Sie nicht wissen, wie Sie den Alltag des Betroffenen angenehm gestalten können, ohne dass es zu Zwischenfällen kommt, können Sie sich an einen Arzt oder eine Pflegeperson wenden.