Um sicher zu sein, dass es durch etwaige Zuzahlungen nicht zu einer finanziellen Überbelastung kommt, wurde im Jahr 2004 von Seiten des Gesetzgebers eine sogenannte Belastungsgrenze definiert. Das heißt: Hat der Versicherte die Belastungsgrenze erreicht, muss er für das restliche Jahr keine Zuzahlungen mehr leisten. – Es kommt somit zum Entfall der Rezeptgebühr. Dabei handelt es sich um 2 Prozent des jährlichen Bruttoeinkommens.

Wer ein jährliches Einkommen von 30.000 Euro erzielt, der kann, der Meinung ist der Gesetzgeber, pro Jahr rund 600 Euro an Zuzahlungen leisten.

Schlussendlich soll das Gesetz aber nicht die Gut- und Besserverdiener ansprechen, sondern vorwiegend die Geringverdiener und Rentner. Denn der Rentner, der mitunter nur um die 15.000 Euro im Jahr an Rente bekommt, muss am Ende nur 300 Euro an Rezeptgebühr bezahlen und danach keine Zuzahlungen mehr leisten. Liegt eine chronische Erkrankung vor, ist es nur 1 Prozent des Bruttoeinkommens. 300 Euro sind – bei einer Zuzahlung von 10 Prozent des Verkaufspreises oder von mindestens 5 und maximal 10 Euro – schnell erreicht.

Die Berechnung der Zuzahlungsgrenze

Stellt der Arzt ein Rezept aus, muss der gesetzlich Versicherte einen Eigenanteil leisten, sofern er das Rezept einlöst. Die Rede ist von der sogenannten Rezeptgebühr. Kinder und Jugendliche sind bis zum 18. Lebensjahr von der Rezeptgebühr befreit; auch Schwangere müssen keinerlei Zuzahlungen leisten, sofern das Medikament in Verbindung mit den Schwangerschaftsbeschwerden steht oder für die Entbindung benötigt wird.

Da der Gesetzgeber will, dass der Selbstbehalt in einem vertretbaren Rahmen bleibt, gibt es die Belastungsgrenze. – Das heißt, wenn der Versicherte 2 Prozent seiner Bruttoeinnahmen für Zuzahlungen geleistet hat, muss er keine Rezeptgebühr mehr bezahlen. Besteht eine chronische Erkrankung, handelt es sich um einen Prozent des Bruttoeinkommens. Bei Personen, welche mit dem Ehepartner oder den familienversicherten Kindern in einer Wohnung leben, kommt es zur Heranziehung des sogenannten Familienbruttoeinkommens. Eine Ausnahme gibt es: Senioren, die zu ihren Kindern ziehen, werden bei der Berechnung nicht berücksichtigt. Das bedeutet, die Einkommen der berufstätigen Kinder haben keine Auswirkungen auf die Höhe der Zuzahlungsgrenze, weil ausschließlich die Rente für die Berechnung herangezogen wird.

Rentner sollten Rechnungen aufheben

Für viele Rentner zählt jeder einzige Cent. Genau deshalb sollten sie sich auch mit der sogenannten Zuzahlungsbefreiung befassen, da hier richtig viel Geld gespart werden kann. In erster Linie zählt die Höhe des Bruttoeinkommens: Während alle Einkünfte das Bruttoeinkommen ergeben (etwa Miet- oder Kapitaleinkünfte, Unterhaltszahlungen oder auch Sozial- und Arbeitslosenhilfe), sind Beihilfen und Renten für Körper- und Gesundheitsschäden, die im Bundesentschädigungsgesetz definiert sind, nicht zum Bruttoeinkommen hinzuzurechnen.

Bezieht ein Rentner ein jährliches Einkommen in der Höhe von 15.000 Euro und die Belastungsgrenze liegt bei 2 Prozent, würde die Grenze somit bei 300 Euro liegen (Bei 1 Prozent, wären es 150 Euro, sofern es sich um einen chronisch kranken Menschen handelt.).

Wichtig ist, dass der sogenannte Zulassungsfreibetrag jährlich direkt an die eigene Krankenkasse übermittelt wird, wobei vor Vorlage des Antrags die Belastungsgrenze erreicht werden muss. Das heißt, der Rentner muss mit Rechnungen nachweisen können, dass er durch die Zuzahlungen die jährliche Obergrenze erreicht hat. Fehlen Rechnungen, kann der Rentner in die Apotheke gehen und mitunter eine Auszahlung der Zuzahlungen verlangen.

Wer den Antrag nicht abgibt, verschenkt Geld

Wer sich unsicher ist, ob die jährliche Grenze bereits erreicht wurde, sollte sich die Quittungen von der Apotheke ausdrucken lassen. Zudem kann schon Anfang des Jahres ungefähr ermittelt werden, wie hoch die Medikamentenkosten – vergleichsweise mit denen des letzten Jahres – ausfallen können. Wer pro Monat um die 60 Euro an Medikamente bezahlt, wird daher – bei einem Bruttoeinkommen von 20.000 Euro – spätestens im Juni die Obergrenze (400 Euro) überschritten haben.