Um die Entstehung eines Druckgeschwürs zu verhindern, bedarf es einer sorgfältigen Pflege. Neueste wissenschaftliche Studien belegen, dass sich ein Dekubitus nicht nur durch das regelmäßige Wenden und Bewegen des Patienten im Bett und andere damit verbundene Maßnahmen vermeiden lässt, sondern auch durch Bewegung. Das Deutsche Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) beschäftigt sich u. a. mit der Dekubitusprophylaxe in der Pflege. Hierzu ist nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen eine aktuelle Anpassung erfolgt.

Was bedeutet Dekubitusprophylaxe?

Die Maßnahmen zur Dekubitusprophylaxe sind erstmals im Jahr 2000 genauer beschrieben worden.

Bewegung ist bekanntlich die Lösung bei Dekubitus. Wenn sich der Patient nicht selbst bewegen kann, ist das Pflegepersonal dafür zuständig. Doch häufig kommt es in der Praxis zu einer fehlerhaften Handhabung und Einschätzung. Denn nicht jeder Betroffene gehört automatisch der Risikogruppe an, in der Druckgeschwüre durch eingeschränkte Bewegung entstehen können. Dennoch reicht es nicht, wenn ein älterer Mensch für längere Zeit auf einem Stuhl gelassen wird, ohne dass sich um diesen gekümmert wird.

Maßnahmen, die druckentlastend wirken oder den Druck des Körpergewichtes verteilen sollen, sind den Pflegefachkräften nicht unbekannt.

Warum haben sich Experten dann für eine Aktualisierung der Dekubitusprophylaxe entschieden?

Dr. Jan Kottner, Wissenschaftlicher Leiter der Expertengruppe Dekubitusprophylaxe in der Pflege, beklagt die nicht fachgerechte Anwendung der vorbeugenden Maßnahmen. Zwar reagiert das Pflegepersonal auf eine temporär begrenzte Immobilität des Patienten (z. B. nach einer Sectio) richtig, dennoch erfahren die vorbeugenden Anwendungen zwischenzeitlich Pausen. Diese zeitliche Unterbrechung der Maßnahmen kann eine nachhaltige Schädigung des Gewebes verursachen. Die Dekubitusprophylaxe muss deshalb lückenlos erfolgen. Längere Pausen der Bewegungslosigkeit darf es nicht geben.

Auch werden Fehler in der Organisation gesehen. So sollen Wechseldruck- und Weichlagerungssysteme für den Patienten unverzüglich zugänglich sein. Dazu gehören bestimmte Auflagesysteme in Form von speziellen Matratzen aus Schaumstoff oder motorbetriebene Luftkissen.

Die richtige Beurteilung durch die Pflegekräfte ist entscheidend

Außerdem macht die neueste Aktualisierung zur Dekubitusprophylaxe das Auge der Pflegekraft aufmerksamer. Denn oftmals ist eine fehlerhafte Risikoeinschätzung des Personals der Grund für eine erhöhte Anzahl an Dekubituspatienten. Zudem hat eine Beratung zusammen mit Patienten und Verwandten zu erfolgen. Auch hierauf liegt eine Betonung in der neuesten Aktualisierung.

Eine weitere Neuheit gibt es auch hinsichtlich der Klassifikationen, die bisher durch eine Einteilung in vier Grade vorgenommen wurden.

Die wichtigste Dekubitusprophylaxe ist ausreichend Bewegung.

Bisher gab es eine Einteilung in vier Grade:

  • 1. Nicht wegdrückbare Rötung
  • 2. Teilverlust der Haut
  • 3. Verlust der Haut/ Zerstörung aller Hautschichten
  • 4. Vollständiger Haut- oder Gewebeverlust

In den USA gibt es die zusätzlichen Stufen:

  • nicht klassifizierbar, weil Wundtiefe nicht erkennbar
  • unbekannte Tiefe der Schädigung des Gewebes

In Bezug auf die Internationale Dekubitusleitlinie ist zukünftig der Begriff Kategorie zu verwenden.